Samstag, 17. November 2018

Virtuelle Realität Jedes Ding ein Link

Angenommen, Sie könnten jeden Gegenstand in einen Internetlink verwandeln. Nur ein Klick - und Sie sind drin. Was nach Utopie klingt, rückt der Wirklichkeit immer näher, denn mittels Semapedia- und Beetagg-Codes lässt sich die Welt mit dem Handy einfach scannen - und beispielsweise über Ebay vermarkten.

Hamburg - Nie zuvor Gesehenes oder gänzlich Ungeahntes sorgen in der realen Welt manchmal für große Fragezeichen. Wie einfach scheint hingegen die virtuelle Realität, in der es keine Ungereimtheiten gibt. Alles kann gegoogelt oder bei Wikipedia erkundet werden. Und falls doch noch Fragen auftauchen, findet man in Blogs und Foren willige Gesprächspartner, mit denen jedes Thema ausdiskutiert werden kann.

Herkömmliche Barcodes:
Das Scannerprinzip bringt die Welt ins Internet
Das Ziel des offenen Projekts Semapedia ist es, die Lücke zwischen virtueller und realer Sphäre zu verkleinern. Das Handy dient dabei als Barcodescanner, der seinem Besitzer einen Weg durch die Welt bahnen soll.

Dazu kann der Nutzer Beiträge des Onlinelexikons Wikipedia codieren, ausdrucken und an Gegenständen oder Gebäuden befestigen. Mithilfe einer speziellen Software erkennt die Kamera eines internetfähigen Mobiltelefons die Codes und verbindet das Handy mit kontextbezogenen Inhalten im Internet. Jeder, der eine spezielle Software auf seinem Handy installiert hat und den Semapedia-Code damit "einscannt", also fotografiert, gelangt darüber zu dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag im Internet. So können sich beispielsweise Paris-Touristen über Geschichte und Höhe des Eiffelturms informieren - vorausgesetzt, sie verfügen über ein Fotohandy sowie die Software, und finden den dazugehörigen Semapedia-Code.

Einige Unternehmer versuchen aber auch, an dem Scannerprinzip zu verdienen. Wie das Schweizer Unternehmen Connvision, das die sogenannten Beetaggs entwickelt hat. Die mindestens vier Quadratzentimeter großen, druckbaren Schilder bestehen aus vielen kleinen Waben und funktionieren ebenso wie Barcodes.

Im Prinzip wird so aus jedem Gegenstand der realen Welt ein Link ins Internet, den man mit dem Handy anklicken kann. Die Möglichkeiten, den Wabencode einzusetzen, sind zahlreich. Beispielsweise könnte auf Filmplakaten ein Barcode mit der Wegbeschreibung zum nächstgelegenen Kino abgedruckt werden. Auf Visitenkarten würde ein Beetagg zur Homepage des Unternehmens führen. Immobilienmakler hätten die Möglichkeit, Wabencodes in Zeitungsinserate einzufügen, die zur Website mit dem Wohnungsgrundriss führen.

Der Anwender zahlt dafür den entsprechenden Betrag, um mit dem Handy im Internet zu surfen. Das Unternehmen, das über die Beetaggs neue Kunden erreichen will, zahlt pro Klick des Anwenders auf die verlinkte Seite. Sobald ein Nutzer den Code abfragt, muss der Anbieter volumenabhängig etwa einen Cent zahlen.

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