Montag, 17. Dezember 2018

Open BC wird Xing Die gewagte Wandlung

Gegründet im August 2003 zählt Open BC, die Plattform für Geschäftskontakte im Internet, inzwischen mehr als 1,5 Millionen Mitglieder. Doch nicht mehr lange: Open BC geht, Xing kommt. manager-magazin.de sprach mit CEO Lars Hinrichs darüber, wie ein Zungenbrecher und ein neues Design Kunden im Fernen Osten anlocken sollen.

mm.de: Das Design und der Name Ihres virtuellen Netzwerks für Geschäftskontakte werden verändert: Open BC wird Xing. Das klingt gewöhnungsbedürftig …

Open-BC-Gründer Hinrichs: "Mit Xing wenden wir uns nicht vom europäischen Markt ab"
Hinrichs: Ich denke, wir haben alle den Namen Open BC lieb gewonnen. Wir wissen natürlich, dass unsere Nutzer uns groß gemacht haben und wir ihnen viel zu verdanken haben. Wir müssen aber auch sehen, dass wir keine deutsche Plattform mehr sind. Was ist mit den fünf bis zehn Millionen internationalen Nutzern, die hinzukommen? Hier wollten wir einen Namen schaffen, der universal ist. Im Deutschen ist er sicherlich nicht so einfach auszusprechen, aber dennoch prägnant.

Außerdem muss der Name nicht zwangsläufig "Ksing" ausgeprochen werden. Jeder Sprachen- und Kulturkreis wird das anders machen. Die Chinesen werden "Sching" sagen. Ich saß gerade mit einem Spanier zusammen, der sagte "Zing". Wie die Engländer, die wahlweise auch "Sing" sagen. Manche Amerikaner werden auch Crossing sagen, da Xing auf amerikanischen und australischen Straßenschildern auf eine Kreuzung (Crossing) hinweist. Wir wollen die Aussprache nicht vorgeben.

mm.de: Warum wollten Sie den Namen denn überhaupt verändern?

Hinrichs: Open BC ist kein internationaler Name. BC steht bei uns für Business Club, aber im englischsprachigen Raum bedeutet BC "Before Christ". Und bei "Open", also offen, denken viele daran, dass alle ihre Kontakte öffentlich zugänglich werden. Das verunsichert und entspricht auch nicht dem Sicherheitskonzept bei uns. Weil sie diese Begriffswelt im Kopf haben, registrieren sich solche potenziellen Nutzer nicht bei uns. Außerdem haben wir das Problem der Markennachahmung. Es gibt Model BC, Success BC, Social BC, Gay BC. Dagegen können wir in keiner Form vorgehen.

mm.de: Wie waren die ersten Reaktionen der Mitglieder?

Hinrichs: Das erste Feedback war "Katastrophe", ganz nach dem Motto: "Ihr nehmt uns unser Open BC weg". Mittlerweile gibt es immer mehr Leute, die den Namen "echt cool" und sehr einprägsam finden. Das Interessante dabei ist, dass die Tugend - oder auch Untugend - gegen Veränderung abgeneigt zu sein, ein deutsches Phänomen ist. Die internationalen Nutzer befürworten den Namen eindeutig.

mm.de: Die Nutzer müssen das neue Image von Open BC wohl erst einmal sacken lassen. Wie lange geben Sie ihnen Zeit dafür?

Hinrichs: Momentan befinden wir uns noch in der Vorbereitungsphase des Wechsels. Wir haben aber bereits kommuniziert: Aus Open BC wird Xing. Damit geben wir den Nutzern die Möglichkeit, sich zu erkundigen, was eigentlich dahintersteckt. Wir haben eine Webseite mit einem Imagefilm und den ersten Screenshots von Xing gestartet. Einfach, um die Leute mitzunehmen und sie nicht plötzlich im Regen stehen zu lassen. Wir entscheiden uns ja nicht gegen, sondern mit Open BC für etwas Neues.

In den nächsten Wochen haben wir auch noch ein paar Sachen vor, um den Namen noch schmackhafter zu machen. Beispielsweise erklären wir, wie die einzelnen Aussprachen sein können und wie der Prozess verlaufen ist. Mit dem Tag des Launches, also Ende November, wird die Seite anders aussehen. Auch wir im Unternehmen werden von diesem Tag an nur noch Xing sagen.

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