Mittwoch, 16. Januar 2019

Übernahme Investor greift nach Balda

Sein Comeback hatte sich Lars Windhorst wohl anders vorgestellt. Der britische Finanzinvestor Audley Capital ist offenbar so unzufrieden mit der Entwicklung des Handyausrüsters Balda, dass er die Firma komplett übernehmen und von der Börse nehmen will.

Bad Oeynhausen/London - In den vergangenen Tagen seien mehrere Aktienpakete erworben worden, so dass der Anteil jetzt knapp unter der Meldemarke von 10 Prozent liege, sagte ein Sprecher von Audley Capital am Freitag. Zuvor habe die Beteiligung bei 5,01 Prozent gelegen.

Finanzinvestoren erhöhen den Druck: Audley Capital will Balda für rund 300 Millionen Euro übernehmen
Finanzinvestoren erhöhen den Druck: Audley Capital will Balda für rund 300 Millionen Euro übernehmen
Der Finanzinvestor habe nun Gespräche mit dem Balda-Management aufgenommen, um über eine mögliche Kaufofferte zu beraten. Audley Capital strebe eine Komplettübernahme über ein Management-Buy-Out an. Konsequenterweise solle das Unternehmen dann von der Börse genommen werden, so der Sprecher.

Hintergrund seien Restrukturierungszwänge bei Balda Börsen-Chart zeigen. Diese könnten in einem privat geführten Unternehmen besser realisiert werden als unter dem Druck der Börse. Für den Strukturwandel ist ein langer Atem erforderlich. "Den sehen wir nicht im derzeit nervösen Kapitalmarkt-Umfeld", sagte der Sprecher.

Voraussetzung für die Übernahme sei die Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat bei Balda. Der Handyausrüster kündigte bereits an, der Vorstand werde das Angebot prüfen.

Kurssprung um bis zu 24 Prozent

Branchenberichten zufolge soll die Offerte von Audley Capital bei 260 bis 300 Millionen Euro liegen. Am Freitag näherte sich die Aktie mit einem Kurssprung um bis zu 24 Prozent auf 6,75 Euro bereits dem Wert der indizierten Offerte von sieben bis acht Euro je Aktie an.

Der Produzent von Kunststoffteilen für die Handybranche, bei dem rund 8000 Mitarbeiter beschäftigt sind, leidet unter einem heftigen Preiskampf und musste vor wenigen Tagen seine Gewinnprognose für 2006 um 60 Prozent zurücknehmen. Damit geht Balda nur noch von einem Gewinn von 20 Millionen Euro aus. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen ein einschneidendes Sparprogramm an. An der Börse hat die im Kleinwerteindex SDax Börsen-Chart zeigen gelistete Aktie seit April mehr als die Hälfte des Wertes verloren.

Misstrauensvotum gegen Windhorst

Bereits im Frühjahr hatte Audley einen ersten Vorstoß gestartet, den Vorstand vom Börsenrückzug zu überzeugen. Das Management lehnte aber ab. Balda-Chef Gut bekräftigte erst in dieser Woche, die Börsennotiz sei das Beste für Aktionäre und Mitarbeiter.

Die Investoren sehen das aber anders. Wie das manager magazin berichtete, begehren sie schon seit einiger Zeit gegen die Geschäftspolitik des Unternehmens auf und versuchen, zwei Aufsichtsratmitglieder aus dem Unternehmen zu drängen. Der Vorstoß ist zugleich ein Misstrauensvotum gegen den ehemaligen New-Economy-Star Lars Windhorst, der den bislang mächtigsten Balda-Investor, den britischen Fonds Sapinda International, vertritt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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