Freitag, 14. Dezember 2018

Mobilcom Frieden mit Gerhard Schmid

Der Mobilfunk-Dienstleister hat den erbitterten Streit mit Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid beigelegt. Im Zuge des jüngst vereinbarten außergerichtlichen Vergleichs mit einem Großteil der Anfechtungskläger gegen die Fusion mit Freenet sei auch ein Kompromiss mit Schmid gefunden worden, sagte Mobilcom-Chef Eckhard Spoerr.

Hamburg - Beide Seiten verzichteten auf gegenseitige Forderungen in Millionenhöhe, teilte Mobilcom mit. In dem Streit zwischen dem Mobilcom-Gründer und ehemaligen Firmenchef Gerhard Schmid und Mobilcom ging es um ein Aktienoptionsprogramm.

Will sich auf die Klage gegen France Telecom konzentrieren: Mobilcom-Gründer Schmid nebst Gattin Sibylle Schmid-Sindram
Schmid bestätigte den Kompromiss. Er sagte, er habe jetzt den Rücken frei, um sich auf seine Schadensersatzklagen gegen France Telecom zu konzentrieren. Durch die vor dem Flensburger Landgericht erreichte Einigung seien die Aussichten für eine erfolgreiche Klage gegen den ehemaligen französischen Hauptaktionär von Mobilcom gestiegen. Der Richter habe darauf hingewiesen, dass einiges für die Wirksamkeit des umstrittenen Optionsprogramms spreche. "Damit sind die Vorzeichen nun anders", betonte Schmid.

Schmids Insolvenzverwalter fordert von France Telecom vor dem Frankfurter Landgericht Schadensersatz in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Seine Ehefrau Sybille Schmid-Sindram hat den französischen Konzern vor dem Landgericht Kiel ebenfalls auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt.

Mobilcom hatte sich vergangene Woche mit 19 von 27 Anfechtungsklägern auf einen außergerichtlichen Vergleich verständigt. Schmid stand auf Seiten dieser Kläger. Spoerr sagte, Verhandlungen mit weiteren Klägern befänden sich auf gutem Weg. Die Kosten des Vergleichs bezifferte er auf bis zu sechs Millionen Euro.

Spoerr betonte, dass dieser Finanzrahmen für Vergleiche mit weiteren Anfechtungsklägern nicht überschritten werden solle. "Wir können über inhaltliche Dinge reden, aber nicht über den Finanzrahmen. Da sind wir an unser Limit gegangen", betonte er. Spoerr ist zugleich Vorstandschef von Freenet und Mobilcom.

Hauptstreitpunkt mit den noch verbliebenen Klägern ist die Frage einer kreditfinanzierten Sonderausschüttung in Milliardenhöhe für Großaktionär Texas Pacific Group (TPG).

Spoerr schlägt vor, die Möglichkeit einer solchen Sonderdividende für die Jahre 2006 bis 2008 einzuschränken. Der Mannheimer Rechtswissenschaftler Christof Hettich, der zu den Klägern gehört, verlangt den Ausschluss einer Sonderausschüttung für einen längeren Zeitraum.

Ein Streit zwischen Schmid und dem früheren Großaktionär France Telecom hatte Mobilcom vor fast vier Jahren an den Rand der Pleite gebracht. Im Zuge der mit den Franzosen finanzierten Rettung musste Schmid seinen Posten als Vorstandschef räumen und alle Mobilcom-Anteile verkaufen, während die Franzosen 7,1 Milliarden Euro Schulden des Unternehmens übernahmen.

France Telecom nutzte damals den Streit um ein Aktienoptionsprogramm dazu, Schmid als Vorstandschef an die Luft zu setzen. Die Franzosen warfen ihm vor, er habe ohne vertragliche Grundlage Millionen für das Programm an die Firma seiner Ehefrau Sibylle Schmid-Sindram überwiesen.

Seitdem kämpft Schmid vor Gericht um sein früheres Vermögen. Mobilcom war einst Symbol für Aufstieg und Niedergang des Neuen Marktes an der Frankfurter Börse. Am Montag notierte das im Technologieindex gelistete Papier bei 16,80 Euro geringfügig im Minus.

reuters

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