Mittwoch, 16. Januar 2019

Google Die Schattenseiten des Monopols

Die Macht der Online-Suchmaschinen wird nach Ansicht von Experten bisher völlig unterschätzt. Yahoo, Microsoft MSN und vor allem Google seien mit mehr als 90 Prozent Marktanteil zum regelrechten Informationsfilter geworden.

Berlin - Wie sucht man Informationen im Internet? Acht von zehn Deutschen antworten: Mit Google Börsen-Chart zeigen. So zumindest sagt es der Betreiber. Bestenfalls werden noch die Suchmaschinen von Yahoo Börsen-Chart zeigen oder MSN von Microsoft Börsen-Chart zeigen genannt.

Weltmarktführer: Google, MSN und Yahoo haben auf dem globalen Markt kaum Konkurrenz
Zusammen stellen diese drei Anbieter in Deutschland einen Marktanteil von rund 90 Prozent, sagt der Journalistik-Experte Marcel Machill. Er spricht sogar von einem "weltweiten Monopol". Um über die "Macht der Suchmaschinen" und ihren Einfluss auf die Politik und den Alltag einer Informationsgesellschaft zu diskutieren, kamen in Berlin zahlreiche Fachleute zu einer internationalen Konferenz zusammen.

"Im klassischen Mediensektor ist solch eine Konzentration nicht denkbar", sagt Machill, der an den Universitäten Dortmund und Leipzig Journalistik lehrt. Darüber hinaus hätten Untersuchungen ergeben, dass Nutzer bei Recherchen nur die ersten 20 Treffer beachteten - wenn nicht schon nach einer Hand voll Schluss ist.

Problematisch werde das bei politisch umstrittenen Themen oder wenn die ersten Treffer auf verbotene Seiten verweisen. Machill sieht bei Suchmaschinen-Betreibern daher eine "publizistische Verantwortung". Sollten sie die nicht wahrnehmen, müsse der Gesetzgeber möglicherweise regulierend eingreifen. Google-Sprecher Stefan Keuchel weist dies zurück. Suchmaschinen arbeiteten nach einem rein mathematischen Algorithmus.

Welche Logik hinter Suchmaschinen stecke, sei weitgehend unbekannt, klagt Machill. Google zum Beispiel ordnet nach eigenen Angaben nach 200 Kriterien, die in einem komplexen Algorithmus ausgewertet werden. Vor allem sei wichtig, wie viele andere Seiten auf die eigene verweisen. Kaufen lasse sich die Platzierung nicht, versichert Keuchel. Geld verdiene Google ausschließlich mit Anzeigen, in denen Werbe-Links passend zum eingegebenen Suchbegriff erscheinen.

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