Montag, 17. Dezember 2018

Wikipedia Veni, vidi, Wiki

Den englischen Sprachraum haben sie bereits fest in eigener Hand, Deutschland erobern sie zu Tausenden. In Frankreich und Japan wird der Durchbruch innerhalb des nächsten Jahres erwartet. Zukünftig will die Heilsarmee der Hobby-Enzyklopädisten auch Lehrmaterial für Schulen verfassen und Wörterbücher herausbringen.

Frankfurt am Main - Die Wikipedianer sind losgezogen, die Welt mit kostenfreiem Wissen zu erobern. Mit einer Armee möchten sie aber nicht verglichen werden. Die Bewegung solle vielmehr so etwas werden wie "das Rote Kreuz der Information", erklärt Jimmy Wales.

Den Globus erobert: Weltweit bringt es Wikipedia in mehr als 60 Sprachen auf über zwei Millionen Einträge, allein auf Deutsch sind es 270.000 Artikel.
Der Vorsitzende der Wikimedia-Stiftung sieht in dem ungehinderten Zugang zu Wissen und Information eine der Grundlagen für eine freie Gesellschaft. Der Grundgedanke dabei sei, dass die Wiki-Bewegung, wie das Rote Kreuz, "immer neutral" und nie abhängig von Partnern sein solle, erklärt Wales.

Auch wenn der Weg bis zum "Roten Kreuz der Information" wohl noch weit ist, eines hat die Wiki-Bewegung schon jetzt mit den Nothelfern gemein: Basis der Arbeit sind tausende Freiwillige. Ihr Ziel ist das Sammeln von Wissen, das dann allen Menschen uneingeschränkt und frei zur Verfügung stehen soll und das jederzeit ergänzt werden kann.

Diesen Freiheitsgedanken hat die Wiki-Bewegung gemein mit der Open-Source-Gemeinschaft, deren bekanntestes Produkt das Betriebssystem Linux ist. Von dieser Gruppe wurde auch die rechtliche Grundlage für die Wiki-Arbeit beeinflusst. Alle Artikel der Enzyklopädie Wikipedia werden unter der "GNU Free Documentation Licence" veröffentlicht. So wird garantiert, dass einmal frei veröffentlichte Beiträge auch frei bleiben. Ähnlich funktioniert die "GNU General Public Licence" bei Software wie zum Beispiel Linux.

Die dahinterstehenden Ideen gehen über das Lexikonprojekt hinaus. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit oder Originalität zu erheben, nannte Wales in seiner Rede auf der ersten internationalen Wikimedia-Konferenz in Frankfurt am Main zehn Ziele, die sich eine Bewegung für freie Kultur, ein "Free Culture Movement", setzen sollte.

Erster Punkt sei der Aufbau einer freien Enzyklopädie, erklärt Wales. Mit der Wikipedia geschehe dies jetzt, und in Englisch und Deutsch sei die Entwicklung "mehr oder weniger auch schon abgeschlossen". In einem Jahr könne die Wikipedia auch in Französisch und Japanisch so weit sein. In zehn Jahren sei es möglich, in allen wichtigen Sprachen ein freies Lexikon zu haben.

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