Dienstag, 11. Dezember 2018

CE Consumer Harte Sanierung

2. Teil: "CE wird nur noch verwaltet"

Gründer Lejeune ist natürlich betrübt über die Entwicklung der zurückliegenden Jahre und klagt mit einer gewissen Verzweiflung: "Die CE wird nur noch verwaltet." Besonders erzürnt Lejeune der gescheiterte Versuch, den Niedergang durch eine Fusion mit dem Konkurrenten Azego Börsen-Chart zeigen zu stoppen. "Ich bin dazu nicht gefragt worden", bedauert Lejeune und wundert sich rhetorisch, aber hörbar entrüstet: "Wie kann man nur auf den Rat von Erich Lejeune verzichten?"

"Wir haben es versäumt, rechtzeitig auf den Nachfrageeinbruch zu reagieren."
CE-Chef Rettenberger
In der Tat hätte ein Zusammenschluss von CE und Azego, die beide dasselbe Geschäftsmodell betreiben und die gleichen Sorgen teilen, einige Probleme lösen können. CE ist zum Beispiel in England schwach vertreten, in Frankreich überhaupt nicht. Azego hingegen ist in beiden Ländern aktiv, hat dafür in den USA keine Niederlassung, wo die CE wiederum über die Tochter SND präsent ist.

Wenige Tage vor der geplanten Bekanntgabe der Fusion im vergangenen Dezember beschloss der Azego-Vorstand gegen den Willen des damaligen Chefs Cornelius Boersch (36), die Gespräche mit CE abzubrechen. Boersch trat daraufhin zurück. Nun ist die Zukunft der Chiphändler ungewisser denn je. Beide Firmen sind so klein und klamm, dass sie allein nur schwer am Markt bestehen können.

Vor allem aber trägt das Geschäftsmodell nicht mehr, das darin besteht, Engpässe bei elektronischen Bauteilen durch geschicktes Handeln zwischen Herstellern und Abnehmern auszugleichen. Dank des Internets ist der Markt wesentlich transparenter geworden, außerdem planen Chipproduzenten wie auch die Einkäufer heute genauer. Breite Angebotslücken entstehen nur noch selten.

Die CE-Führung versucht deshalb, das Unternehmen zu einem Handelshaus umzubauen, dessen Kunden sich regelmäßig bei CE eindecken - und nicht nur dann, wenn eine Notlage auftaucht. Doch selbst CE-Chef Rettenberger gibt zu, dass der CE-Vorstand "zu spät mit der Akquise von Kunden in Wachstumsbranchen wie Medizin- und Gentechnik sowie Optoelektronik begonnen hat".

Da hilft es auch nicht viel, dass CE mit der in den Jahren 2000 und 2001 viel zu teuer zugekauften Amerika-Tochter SND seine Geschäftsbasis erweitert hat. SND vertreibt neben Chips auch Computer und Zubehör - macht aber auch mittlerweile Verluste. Die seit vier Jahren roten CE-Bilanzen reißen die Firma immer tiefer in die Verschuldung. CE braucht womöglich bald frisches Geld, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Woher das Kapital kommen soll, kann sich Analyst Peter-Thilo Hasler von der HypoVereinsbank nicht vorstellen. Er räumt dem Unternehmen keine Chance mehr ein: "Die Zeiten von CE sind vorbei." Lejeune wird kaum Bares nachschießen. Das Kapitel CE ist für ihn endgültig abgeschlossen. Er hat seine CE-Papiere verkauft oder verschenkt - allein 750.000 Aktien gingen für soziale Zwecke an die Stadt München. Kleinmut war eben noch nie seine Sache.

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