Sonntag, 16. Dezember 2018

Mummert-Übernahme Neue Kugelschreiber aus Frankreich

Der französische IT-Dienstleister Steria hat die deutsche Beratungsgesellschaft Mummert Consulting übernommen und gleichzeitig ehrgeizige Pläne angekündigt: Bis 2008 soll der Umsatz verdoppelt werden. Namhafte Zukäufe sind vorprogrammiert.

Hamburg - So viel Blau und Silber war ungewohnt, doch vor allem die Aufschrift "Steria" brachte Jürgen Sponnagel zum Staunen: "Oh, wir haben neue Kugelschreiber." Schwer zu sagen, ob Freude oder Irritation beim Anblick überwogen.

Wo geht es lang? Mit europaweiter IT-Beratung will Steria in die Nähe von Capgemini und CSC aufsteigen
Denn bis zum Morgen war Sponnagel noch Chef der Hamburger Beratungsgesellschaft Mummert Consulting gewesen. Dann unterschrieben er und Steria-Chef Francois Enaud endgültig den Vertrag, mit dem Mummert Consulting nach zehnmonatigen Verhandlungen Teil der Steria-Gruppe wird. Das war von Sponnagel gewollt und erwartet, der künftig Deutschland-Chef bei Steria Mummert ist. Dass schon Minuten später alle Mummert-Symbole bis hin zum Werbekuli getilgt waren, mag ihn aber überrascht haben.

Denn eigentlich ist vereinbart, dass Mummert sowohl seinen Hauptsitz in Hamburg als auch seine etwa 1100 Angestellten behält. Auch der alte Firmenname soll in der Tochtergesellschaft Steria Mummert Consulting weiterleben. Von Hamburg aus will der bisherige Chef Sponnagel die Geschäfte der für Deutschland und Österreich zuständigen Firma führen. Er rückt gleichzeitig in den Konzernvorstand auf.

Die Franzosen haben in der Beratung von Dienstleistungsunternehmen und Behörden große Pläne: Zwei Milliarden Euro Jahresumsatz plant Konzernchef Francois Enaud für das Jahr 2008; 2003 waren es gerade 1,1 Milliarden Euro - die Mummert-Millionen schon fiktiv hinzugerechnet. 400 bis 500 Millionen Euro zusätzlicher Umsatz sollen aus Zukäufen starker Beratungsunternehmen stammen. "Wir hatten das Ziel, ein europäisches Unternehmen zu kreieren und müssen nun unsere Wettbewerbsfähigkeit optimieren", sagte Steria-Chef Enaud. Vor allem in Großbritannien und Frankreich ist Steria auf der Suche. Konkrete Gespräche im Hinblick auf eine Übernahme werden aber zurzeit nicht geführt.

Glückt der Expansionsplan dennoch, rückte das Unternehmen, das derzeit nach eigenen Angaben auf Platz neun unter den IT-Services-Anbietern in Europa steht, ein gutes Stück auf international renommierte Konkurrenten wie CSC und Capgemini auf, die allerdings allein in den von Steria beackerten Ländern drei Milliarden und 4,3 Milliarden Euro Jahresumsatz machen.

Die großen IT-Beratungsgesellschaften waren teilweise in den vergangenen Jahren durch spektakuläre Zusammenschlüsse in der schnell wachsenden und starken Veränderungen unterworfenen Beratungsszene entstanden und leiden darunter inzwischen teilweise.

Konzernkunden verlangen vor allem für die weltweit einheitlichen IT-Systeme ebenfalls weltweit agierende Berater. Beim Versuch, diesem Trend gerecht zu werden, hatte sich Mummert Consulting im IT-Beratungsboom der späten 90er Jahre völlig übernommen. Büros in London und Brüssel erwiesen sich als Fehlschlag und mussten wieder geschlossen werden. "Die Europäisierung war nicht erfolgreich. Die Kraft hat dafür einfach nicht gereicht", sagt Sponnagel, dem die Aussage leicht fallen kann, weil er erst 2003 als Retter in der Not geholt wurde.

In der derzeitigen Verfassung könnte Mummert den Franzosen sogar einen kleinen Renditekick geben. Zwar liegen genaue Vergleichszahlen nicht vor. Für 2004 rechnet Mummert aber mit einer Ebit-Rendite von etwa 5 Prozent bei einem Umsatzplus von 5 Prozent auf etwa 140 Millionen Euro. Steria kommt dagegen nach Angaben von Konzernchef Enaud auf 3,6 Prozent in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres. Der kumulierte Umsatz in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres betrug 704 Millionen Euro, was einem Plus von 2 Prozent zum Vorjahreszeitraum entspricht.

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