Freitag, 16. November 2018

Infineon Ein Unternehmen für alle Fälle

Der Münchener Halbleiterkonzern bereitet offenbar einen Umbau des Konzerns vor. Als "Vorrats-Unternehmen" hat Infineon die Tochtergesellschaft Invot AG gegründet. Wird die Chipsparte nun ausgegliedert? Das Unternehmen sagt Nein.

München - Der Chiphersteller Infineon Börsen-Chart zeigen hat die Tochtergesellschaft Invot AG gegründet. Mit dem neuen Unternehmen bereitet sich der Münchener Halbleiterkonzern möglicherweise auf einen Konzernumbau vor.

Infineon: Unternehmen auf Vorrat gegründet
Über den Zweck der Neugründung herrscht jedoch noch Unklarheit. Anfangs wurde über die Abspaltung der Chipsparte spekuliert, doch setzte das Unternehmen den Gerüchten ein Ende.

Bei einem Besuch im portugiesischen Porto, wo Infineon in ein Werk investieren will, erklärte Michael Majerus, Finanz-Vorstand der DRAM-Sparte, dass Infineon sich nach intensiver Prüfung gegen eine Abspaltung seines riskanten Speichergeschäfts entschieden habe. "Es gibt keine Pläne, sich vom Speicherbereich zu trennen", sagte Majerus.

Seitdem Infineon den bisherigen Continental-Vizechef Wolfgang Ziebart zum neuen CEO bestellt hat, wurde über eine Herauslösung der Speicherchipsparte diskutiert. Der Bereich könne später fusionieren oder an die Börse gebracht werden, so die Überlegungen. Der Aufsichtsrat soll jedoch einem solchen Vorhaben gegenüber skeptisch gewesen sein.

Auch haben Kunden offenbar verunsichert reagiert. "Unsere Kunden haben in Infineon auch künftig einen langfristig stabilen und verlässlichen Partner für Speicher- und Logikprodukte", betonte das Vorstandsmitglied. Infineon könne mit seiner derzeitigen Aufstellung auch die künftigen Herausforderungen des Marktes bestens bedienen. Allerdings behalte sich der Konzern auch in Zukunft vor, seine Struktur regelmäßig zu überprüfen. Majerus geht aber davon aus, dass die Entscheidung für die nächsten Jahre stehe. Dem Vernehmen nach war der künftige Konzernchef Ziebart in die Entscheidung mit einbezogen.

Vorratsunternehmen Invot

Die Speicherchipproduktion gilt als konjunkturabhängig und ist damit entsprechenden Schwankungen unterworfen. Speicher seien das riskanteste Produkt von Infineon, heißt es in der Branche. Zuletzt machte das Unternehmen mehr als ein Drittel seines Umsatzes in dieser Sparte, die unter anderen auch für einen Großteil der Milliardenverluste verantwortlich war.

Die Gründung der Firma Invot AG könnte also einen anderen Hintergrund haben - zum Beispiel ein Outsourcing-Vorhaben. Der ehemalige Konzernchef Ulrich Schumacher wollte die IT-Infrastuktur von Infineon an einen externen IT-Dienstleister auslagern. Möglicherweise verfolgt das Unternehmen nun diese Pläne weiter, obwohl es hieß, dass auch dieser Plan intensiv überprüft werde.

Ein Infineon-Sprecher sagte am Dienstag, es seien keine konkreten Auslagerungen von Unternehmensbereichen in die Invot AG geplant. Es handle sich vielmehr um einen reinen Vorratsbeschluss. Das neue Unternehmen beschäftige sich mit Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Bauelementen, Systemen und Software. Der Firmenzweck sei möglichst allgemein gehalten, da derzeit noch nicht bekannt ist, wofür die neue Tochter genutzt werden soll. In den Vorstand der neuen Aktiengesellschaft wurden unterdessen der Finanzexperte Robert Hawlicek und Dominik Asam, Leiter von Investor Relations, Beteiligungen und Finanzierungen, berufen.

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