Donnerstag, 15. November 2018

Computerwürmer Schüler schuf "Sasser" und "Netsky"

Microsoft und Computernutzer in aller Welt atmen auf: Als Urheber der Computerwürmer „Netsky" und „Sasser" ist ein 18-jähriger Schüler aus Niedersachsen aufgeflogen.

Hannover - Informanten gaben dem amerikanischen Software-Riesen Microsoft Börsen-Chart zeigen den entscheidenden Hinweis und bekamen dafür 250.000 Dollar in Aussicht gestellt. Die Tippgeber hätten sich nach der Belohnung erkundigt, erklärte Microsoft.

Brutstätte: Haus des "Sasser"-Programmierers
Der 18-Jährige aus dem 600-Einwohner-Dorf Waffensen (Kreis Rotenburg) legte nach seiner Festnahme ein Geständnis ab und wurde danach auf freien Fuß gesetzt. Microsoft Deutschland hatte am Mittwoch erste Hinweise auf den möglichen Urheber und informierte das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) am Freitag. Zur Identität der Tipp-Geber wurde auf der Pressekonferenz des LKA am Samstag nichts bekannt gegeben.

Beamte des LKA und der Staatsanwaltschaft Verden durchsuchten das Elternhaus des 18-Jährigen und stellten Beweismaterial sicher, darunter einen selbst gebastelten PC, auf dem sich der Quell-Code des Computerwurms befindet. Laut Microsoft beweist dieser die Täterschaft.

Angespornt durch Gespräche mit Klassenkameraden

Der Täter ist laut Microsoft für alle 28 Varianten des seit 16. Februar grassierenden Computerwurms "Netsky" sowie für den Wurm "Sasser" verantwortlich, der seit 30. April Millionen Rechner hat abstürzen lassen. Der 18-Jährige erklärte dem LKA, er habe ursprünglich ein Anti-Virus-Programm erstellen wollen. Sein Virus sollte die anderen Viren von den befallenen Rechnern entfernen. "Netksy A" sollte die Viren "Mydoom" und "Bagle" bekämpfen.

 Computerviren: Angeblich "mit drei, vier Clicks" zu programmieren
[M] DPA
Computerviren: Angeblich "mit drei, vier Clicks" zu programmieren
Angespornt durch Gespräche mit ebenfalls computerbegeisterten Klassenkameraden habe er "Netsky" weiter entwickelt und damit eine Sicherheitslücke aller Windows-Betriebssysteme ausgenutzt. "Netsky D" verwendete zum Beispiel E-Mail-Adressen, die auf einem infizierten Computer gefunden wurden; der eigentliche Absender war gefälscht.

Durch eine Modifikation von "Netsky" sei das Virus "Sasser" entstanden. Es nutzt eine am 13. April von Microsoft bekannt gegebene Sicherheitslücke in den Betriebssystemen Windows 2000 und Windows XP aus und infiziert den PC allein durch den Anschluss ans Netz. Ein befallener Rechner muss immer wieder neu starten. Laut LKA-Direktor Rüdiger Butte sorgte "Sasser" für Computerausfälle unter anderem bei der US-Fluglinie Delta Airlines, der britischen Küstenwache und der Europäischen Kommission.

Auch das FBI ermittelte

Der 18-Jährige sagte, über die Folgen oder mögliche Schäden habe er sich keine Gedanken gemacht. Der mangels Haftgründen wieder freigelassene Schüler muss sich wegen Computer-Sabotage verantworten, worauf Strafen bis zu fünf Jahren Haft stehen.

An der Suche nach dem "Sasser"-Entwickler waren laut Microsoft auch die US-Bundespolizei FBI und der US-Geheimnisdienst beteiligt. Microsoft-Sprecher Sascha Hanke sagte, der 18-Jährige sei kein "genialer Programmierer". Auch der Pressesprecher des Chaos-Computer-Clubs, Lars Weiler, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass man einen Computerwurm mit Hilfe von "tool kits" im Internet "mit drei, vier Clicks zusammenbasteln" könne.

In einer telefonischen Pressekonferenz sagte Microsoft-Vizepräsident Brad Smith den Informanten die Belohnung von 250.000 Dollar zu, sobald der Urheber der Computerwürmer verurteilt sei. Er zeigte sich erleichtert. Die Aufklärung des Falls sei ein wichtiger Schritt der Industrie bei der Bekämpfung von Computer-Kriminalität. Insgesamt hat Microsoft als Anreiz fünf Millionen Dollar bereitgestellt.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH