Sonntag, 9. Dezember 2018

Bechtle Vom Ein-Mann-Büro zur Umsatz-Milliarde

Ein Zukauf bringt das zweitgrößte deutsche IT-Systemhaus an die Milliarden-Umsatzlinie - und in TecDax-Nähe. Für Gerhard Schick, der Bechtle vor 21 Jahren gründete, eine Genugtuung: "Wir sind Schwaben und wurden im Internet-Hype noch als Konservative belächelt", sagt er gegenüber manager-magazin.de.

Gaildorf - Bechtle Börsen-Chart zeigen, zweitgrößtes IT-Systemhaus in Deutschland und Computer-Händler, will durch die Übernahme des Schweizer Systemhauses ARP (220 Mitarbeiter) den Umsatz im kommenden Jahr auf mehr als eine Milliarde Euro steigern. Das Gewinn-Niveau soll dann "zumindest gehalten" werden, so Bechtle-Gründer Gerhard Schick gegenüber manager-magazin.de.

Sechster Zukauf in diesem Jahr: Bechtle-Gründer Gerhard Schick
Der ARP-Verwaltungsratschef und alleinige Eigentümer, Alex Häusler, erhält neben einer Bar-Komponente eine Million Bechtle-Aktien aus einer Kapitalerhöhung, die den Streubesitz auf 48,5 von 46 Prozent steigen lassen.

Für Häusler ist der Verkauf eine Nachfolgeregelung, Bechtle will das ARP-Management nicht austauschen. Dies sei, so Schick, "nur konsequent, weil wir nach wie vor auf eine dezentrale Führungsstruktur setzen". Die neue Einheit ARP sei am schnellsten zu integrieren, wenn man ihr weitgehende Freiheit gewähre, selbstverantwortlich zu agieren.

Die ARP Holding in Rotkreuz im Kanton Zug ist mit erwarteten 210 Millionen Franken Umsatz (135 Millionen Euro) einer der größten Computer- und IT-Zubehör-Händler in der Schweiz.

Ebit von 25 Millionen Euro prognostiziert

Einen Teil der sechsten Akquisition in diesem Jahr zahlt Bechtle nach eigenen Angaben über Kredite. Branchenexperten schätzten den Wert von ARP auf mindestens 60 Millionen Franken (38,5 Millionen Euro). Das deutsche Kartellamt muss dem Kauf noch zustimmen.

Die ARP-Gruppe, die Computer unter den Marken "Datacon" und "Claxan" über das Internet an Geschäftskunden in der Schweiz und in Österreich verkauft, erwartet für das zu Ende gehende Jahr einen Gewinn vor Steuern von mehr als acht Millionen Franken (rund fünf Millionen Euro).

Der Gaildorfer Konzern hatte sein Umsatzziel für das laufende Jahr mehrmals nach unten korrigiert und rechnet nun mit 790 bis 810 Millionen Euro Umsatzvolumen, 2002 waren es 751,7 Millionen Euro. Damit hatte Bechtle seinen Jahresüberschuss um 33 Prozent auf 12 Millionen Euro gesteigert.

Das Ergebnis 2003 soll laut Vorstandschef Schick "in einem Korridor von 24 bis 26 Millionen Euro vor Steuern" liegen (2002: 18,4 Millionen). Von ARP erhofft sich Bechtle Größenvorteile im Einkauf, in der Logistik und im Produktmanagement. Die Marken von ARP sollen erhalten bleiben.

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