Dienstag, 26. März 2019

Bauer-Verlag Einstieg ins Zeitungsgeschäft?

Der Hamburger Verlag erwartet kein Ende der seit drei Jahren andauernden Medienflaute. Dennoch sieht sich das Unternehmen gut gewappnet - auch für seine Expansionsgelüste. Bei der "Hamburger Morgenpost" hat der Verlag angeblich schon zugegriffen.

Hamburg - "Wir erwarten keine Trendwende. Wir glauben, dass es eine lange anhaltende Periode der Stagnation sein wird", sagte Manfred Braun, Geschäftsleiter des Bauer Verlags. Kein schöner Ausblick, gerade hatten Marktforscher von einem leichten Anstieg in der Werbebranche berichtet.

"Wir erwarten keine Trendwende": Heinz Bauer
Während die Branche sich innerlich schon fast auf die Erholung eingestellt hat, berichtet Bauer vom Gegenteil. Stattdessen rechnet das Unternehmen mit einem steigenden Wettbewerb und damit verbunden höheren Druck auf die Renditen. Bauer sehe sich auf Grund seiner Marktposition dafür gut gewappnet.

Für 2003 prognostizierte Verleger Heinz Bauer einen leichten Umsatzanstieg um einen halben Prozentpunkt auf 1,72 Milliarden Euro, nachdem die Erlöse im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent geschrumpft waren. Mit diesem Rückgang schnitt Bauer allerdings besser ab, als konkurrierende Verlage, die zum Teile deutlich höhere Einbußen hinnehmen mussten.

Preiskampf wird den Markt verändern

"Der Kampf um Marktanteile wird sich im Jahr 2004 weiter verschärfen", erklärte Braun. Weitere Preisabschläge würden die Branche allerdings schwächen und den gesamten Markt verändern. Die Folge wäre vermutlich verstärkter Verdrängungswettbewerb. "Irgendwann werden die Helden müde, und die Preiskämpfe flauen ab. Das wird aber wohl noch einige Jahre dauern", sagte Bauer.

Angaben zum Gewinn macht der Konzern, seit vier Generationen in Besitz der Familie Bauer, traditionell nicht. Experten schätzen allerdings, dass der Verlag eine zweistellige Umsatzrendite erwirtschaftet. Verleger Bauer machte lediglich deutlich, dass sich der Konzern auf Grund seiner Ertragslage gut gerüstet sehe.

"Fest verankert im Zeitschriftenmarkt und in einer soliden finanziellen Verfassung sind wir bestens für die Herausforderungen des immer härteren Wettbewerbs gerüstet." Trotz des auch beim Marktführer im deutschen Zeitschriftenbereich ("TV-Movie", "Bravo", "Neue Revue") spürbaren Drucks zu vermehrten Rationalisierungen habe der Verlag keine größeren Personalabbaupläne. "Es gibt keine Programme für Kostensenkungen oder Personalabbau", sagte Bauer. Allerdings müsse jeder Bereich seine Produktivität auf hohem Niveau halten.

Interesse an anderen Geschäftsfeldern

Unterdessen liebäugelt die Verlags-Gruppe weiter mit Expansionsvorhaben. "Wir sind immer offen, wenn sich eine interessante Erweiterung unseres Unternehmens durch Zukäufe ergibt." Dabei sei der Bauer-Verlag nicht an Zeitschriften gebunden, auch Zeitungen und elektronische Medien kämen in Betracht.

 Bei ProSiebenSat1 abgeblitzt: Bauer Verlag
Bei ProSiebenSat1 abgeblitzt: Bauer Verlag
Bauer ließ durchblicken, dass er den Aufbau einer Regionalzeitungsgruppe für denkbar hält. Falls sich eine Gelegenheit dazu ergeben sollte, wäre Bauer bereit, sich in die Reihe der Interessenten einzureihen. Konkrete Vorhaben nannte er allerdings nicht.

Die Verlagsgruppe hatte sich vergeblich um eine Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat1 Börsen-Chart zeigen bemüht, der schließlich von dem US-Medienunternehmer Haim Saban gekauft wurde. Auf dem Berliner Zeitungsmarkt war Bauer vorübergehend als Interessent für den "Tagesspiegel" aufgetreten.

Unklarheit über die "Mopo"-Beteiligung

Der "Tagesspiegel" berichtete indes in seiner Donnerstagausgabe, Bauer sei als Finanzier des Hamburger Investors Hans Barlach aufgetreten. Dieser hatte vor wenigen Tagen Presseberichten zufolge seinen Anteil an der "Hamburger Morgenpost" aufgestockt. Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter dementierte dies nicht, wollte es aber auch nicht bestätigen. Barlach selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Ist Bauer der Finanzier von Barlach? "Hamburger Morgenpost" hat neuen Mehrheitseigner
Wie sich aber die Gesellschaftersituation bei der "Mopo" tatsächlich darstellt, ist derzeit unklar. Die "Welt" berichtete zuletzt, der bisherige Mehrheitseigner Frank Otto habe sich von einem etwa 33-Prozent-Anteil getrennt, diese an den Axel-Springer-nahen Verleger Christian Heinrich verkauft. Das habe dem Mitgesellschafter der "Mopo", Barlach, nicht gefallen, deshalb habe dieser seine Vorkaufsoption gezogen und die 33 Prozent übernommen.

Im "Handelsblatt" heißt es am Mittwoch, Otto betone, dass sich an dem Kreis der Anteilseigner nichts verändert habe. Er halte weiterhin 66 Prozent an der der City Boulevard GmbH, zu der die "Mopo" gehört. Barlach will davon jedoch nichts wissen und pocht auf die kürzlich erworbenen Anteile. Er halte jetzt 66 Prozent, sagte er dem "Handelsblatt".

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