Mittwoch, 19. Dezember 2018

Warner Music Bronfman zurück im Musikgeschäft

Die Übernahmeschlacht um die Musiksparte von Time Warner ist entschieden: Wie erwartet, hat die Investorengruppe und Haim Saban und Edgar Bronfman den Zuschlag für Warner Music erhalten.

New York/London - Es lief dann doch alles wie erwartet. Am Wochenende sickerte durch, dass die Chancen des britischen Musikkonzerns EMI Börsen-Chart zeigen für die Übernahme von Warner Music zunehmend schwinden. Das Angebot des Investorenduos um den Milliardär Edgar Bronfman Jr. war dann doch zu hoch. Heute Morgen gaben die Briten bekannt, ihr Angebot zum Kauf des Konkurrenten zurückzuziehen.

 2,6 Milliarden geboten: Haim Saban und Edgar Bronfman sind die neuen Eigentümer von Warner Music
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2,6 Milliarden geboten: Haim Saban und Edgar Bronfman sind die neuen Eigentümer von Warner Music
Als Käufer für die Musiksparte des hoch verschuldeten US-Medienkonzerns Time Warner Börsen-Chart zeigen blieb eben jenes Duo aus Bronfman und Haim Saban übrig und sie bekamen den Zuschlag: Für 2,6 Milliarden Dollar geht das Plattenlabel an die Investorengruppe um Ex-Seagram-Chef Bronfman.

Mit dem Korb für EMI verzichtet Warner Music, Heimat von Künstlern wie Madonna oder REM und weltweite Nummer vier der Branche, allerdings auch auf mögliche Synergien von bis zu 300 Millionen Dollar. Andererseits erhält die Konzernmutter, die mit 24 Milliarden Dollar verschuldet ist, einen deutlich höheren Preis und braucht sich nicht um wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kartellbehörden in den USA und Europa zu kümmern.

Kartellbehörden ließen mehrere Fusionsversuche scheitern

Diese hatte in der Vergangenheit mehrfach geplante Fusionen in der Branche platzen lassen, wo angesichts massiver Konkurrenz von Internet-Musikbörsen der Konsolidierungsdruck wächst. Bereits heute verfügen die größten fünf der Branche mehr als 75 Prozent Marktanteil. Erst vor kurzem hatte Sony Music in eine Fusion mit der Bertelsmann-Tochter BMG eingewilligt.

Die Time-Warner-Aktien notierten nach der Bekanntgabe mit 15,70 Euro rund ein Prozent im Plus. Die EMI-Aktie, die bereits am Freitag kräftige Abschläge hatte hinnehmen müssen, verlor 0,3 Prozent.

Wird die EMI nun selbst zum Übernahmeziel?

Der Abschluss war erwartet worden, nachdem EMI - Label von Künstlern wie den Rolling Stones, Radiohead oder Coldplay - den Rückzug angekündigt hatte. Es sei nicht möglich gewesen, eine akzeptable Vereinbarung mit Time Warner zu erreichen, teilte der Konzern in London mit. Analysten zufolge könnten die Briten nun selbst zum Übernahmeziel von Investoren werden, langfristig aber auch als Partner von Warner Music in Frage kommen.

In der Vergangenheit war EMI bereits einmal mit der Übernahme von Warner Music gescheitert, und der Versuch, die Musiksparte BMG von Bertelsmann zu kaufen, war wegen Bedenken der Kartellbehörden ebenfalls fehlgeschlagen. Time Warner und EMI kommen beide jeweils auf rund zwölf Prozent Marktanteil.

Die Briten hatten bei ihrer Offerte allerdings nur auf eine Mehrheitsbeteiligung an Warner Music mit Labels wie Warner Bros., Atlantic oder Elektra gesetzt, dabei das Lizenzgeschäft aber außen vor gelassen.

Die Gruppe um Bronfman, der unter anderem die Beteiligungsgesellschaft Thomas H. Lee angehört, erwirbt hingegen auch diesen als stabil geltenden Geschäftsbereich. Der Time-Warner-Musikverlag Warner/Chappel hält beispielsweise die Rechte für Klassiker wie "Happy Birthday" oder "Rhapsody in Blue", die auf unzähligen Samplern vertrieben werden. Im Kerngeschäft sollen die Kosten zudem nun kräftig gedrückt und das Ergebnis verbessert werden.

Bronfman schrieb schon Songs für Celine Dion

Bronfman, der in der Vergangenheit Lieder für Celine Dion und andere Größen geschrieben hat, schafft mit der Übernahme sein Comeback in der Branche. Bekannt geworden ist der Medienunternehmer unter anderem als Verantwortlicher für die Übernahme von Polygram durch Universal Music, woraus die weltgrößte Plattenfirma entstand.

Vor drei Jahren dann legte Bronfman sein Medienimperium mit der französischen Vivendi zusammen, mit der es jedoch bald bergab ging. Beim Versuch, Konzernteile später wieder zu übernehmen, unterlag Bronfman jüngst NBC.

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