Freitag, 16. November 2018

Bertelsmann Fieberhafte Suche nach einem Partner

Gunter Thielen sucht nach einer Lösung für die angeschlagene Musiksparte BMG. Gespräche führt der Konzernchef seit Monaten mit Warner Music, doch die Verhandlungen sind offenbar ins Stocken geraten. Kein Wunder also, dass Bertelsmann auch mit Sony und EMI spricht.

Frankfurt - Die Musikbranche leidet seit Jahren unter einem deutlichen Umsatzrückgang, seit Jahren laufen Verluste auf. Deshalb suchen die großen Fünf der Branche nach einem Weg, der Misere zu entkommen.

Fusionspartner gesucht: Gunter Thielen
Bislang bekannt war, dass Bertelsmann und AOL Time Warner Börsen-Chart zeigen über einen Zusammenschluss ihrer Musiksparten sprechen. Nun setätigte Gunter Thielen, dass der Konzern auch mit Sony Börsen-Chart zeigen und EMI über ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen mit der Musiksparte BMG spreche.

"Wir sprechen mit jedem, wir reden mit Warner, EMI und Sony", sagte Bertelsmann-Chef Gunter Thielen der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich werde nicht sagen, welche Gespräche am weitesten fortgeschritten sind", fügte er hinzu.

Gefragt, ob sich Bertelsmann auch aus dem Musikgeschäfts zurückziehen und BMG verkaufen würde, sagte er: "Ich würde nicht sagen, dass wir das niemals tun würden. Momentan kann ich das aber nicht sehen." Der Partner müsse einem paritätischem Joint Venture zustimmen.

Ins Stocken geraten

BMG ist der kleinste der weltweit fünf größten Musikkonzerne. Angeführt wird die Rangliste von Universal Music gefolgt von Sony Music, der britischen EMI Group und Warner Music. BMG hatte in den vergangenen Monaten mit Warner Music über die Gründung eines Joint-Ventures verhandelt, an dem beide Konzerne je zur Hälfte beteiligt werden sollen. Die Gespräche, die schon weit fortgeschritten waren, sind nach Angaben aus Kreisen nicht abgebrochen, aber ins Stocken geraten. Im September warf EMI dann seinen Hut in den Ring und bot Warner den Kauf des Musikgeschäftes für mehr als 1,5 Milliarden Dollar an.

Sowohl eine Fusion von BMG und Warner als auch eine Kombination Warner/EMI würde den weltweit zweitgrößten Musikkonzern schaffen. Danach hatte es bereits in Branchenkreisen geheißen, BMG wolle auch mit Sony Gespräche über einen Zusammenschluss der Musikgeschäfte führen.

Bisher waren Versuche für Fusionen unter den Top Fünf Musikkonzernen an wettbewerbsrechtlichen Hürden gescheitert. Die Beteiligten hoffen, dass die schwachen Märkte die Kartellbehörden in den USA und Europa diesmal milder stimmen. Mehr als einen Zusammenschluss würden sie aber nicht genehmigen, wird in der Branche vermutet.

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