Donnerstag, 15. November 2018

"Mitten in Afrika" "Offensichtlich ein Fall von Betrug"

Nachdem die Kritik immer lauter wurde, musste die selbst ernannte Kriegsreporterin Ulla Ackermann zugegeben, große Teile ihrer Biographie "Mitten in Afrika" frei erfunden zu haben. Der Verlag Hoffmann und Campe zog den Besteller nun zurück.

Hamburg - Der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe hat nach dem Wirbel um ihr Buch "Mitten in Afrika" von der Autorin Ulla Ackermann nun Geld zurückgefordert. "Ulla Ackermann hat einfach eine perfekte Show abgezogen", sagte Rainer Moritz, Verlagsleiter von Hoffmann und Campe, gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir werden versuchen, wenigstens an den Vorschuss heranzukommen." Niemals zuvor habe er einen derartigen Fall erlebt.

Dichtung: Große Teile von Ulla Ackermanns Biographie sind frei erfunden
Bis zuletzt habe Ackermann versucht, ihre künstliche Biographie aufrecht zu halten, sogar in einer eidesstattlichen Erklärung die Wahrheit ihrer Aussagen beglaubigt. Es hat ihr nichts genutzt.

In einem Gespräch mit dem Verlag und ihrer Agentur hat die 47-Jährige nun zugeben müssen, weite Teile ihres Buches "Mitten in Afrika", in der sie ihre Erfahrungen als Kriegsreporterin in Afrika beschreibt, nur erfunden zu haben. Hoffmann und Campe hat den Bestseller daraufhin vom Markt genommen.

"Frau Ackermann hat offensichtlich nicht nur uns und ihren Agenten, sondern auch ihr eigenes privates Umfeld seit vielen Jahren über ihre Lebensgeschichte getäuscht", sagt Rainer Moritz. "Es ist offensichtlich ein Fall von Betrug."

"Fassungslosigkeit ist das richtige Wort dafür"

In den vergangenen 14 Tagen seien dem Verlag erhebliche Zweifel an der Echtheit des Buches gekommen, "aber bis ich die Beweise hatte, musste ich mich erst hinter die Autorin stellen", sagte Moritz. "Nun bin ich sehr enttäuscht. Ich glaube, Fassungslosigkeit ist das richtige Wort dafür."

Hoffmann und Campe habe sich auch weitere juristische Schritte vorbehalten. Ein solcher Fall sei in der Geschichte des Hauses einmalig.

Der Verlag entschuldigt sich bei seinen Lesern

Nach Angaben des Verlags sollen künftig angebotene Manuskripte genauer überprüft werden. Hoffmann und Campe entschuldige sich bei seinen Lesern.

Diese können die Schwindel-Biographie nun im Buchhandel zurückgeben und bekommen den Kaufpreis (21,90 Euro) erstattet. Betroffen sind nicht eben wenige Leser. "Mitten in Afrika" verkaufte sich glänzend, rund 25.000 Exemplare gingen bisher über den Ladentisch.

Mandela saß nie im Gefängnis von Pretoria

Doch bereits vor einigen Wochen waren erste Zweifel am Wahrheitsgehalt des Buches aufgetaucht. Wie der SPIEGEL berichtet hatte, existierten die von Ackermann genannten Auftraggeber nicht, andere Afrika-Korrespondenten erklärten, sie würden die angebliche Kollegin überhaupt nicht kennen. Außerdem gebe es in dem Buch inhaltliche Fehler: So könne die Autorin nicht - wie behauptet - Nelson Mandela im Gefängnis von Pretoria besucht haben. Dort sei er nämlich nie gewesen.

Ackermann, die bisher nur einige Reiseführer über Afrika veröffentlicht hat, beschreibt in ihrem Bestseller auch private Erlebnisse und Tragödien, zum Beispiel ein Treffen mit Osama Bin Laden oder den Malaria-Tod ihrer Tochter. Was nun in "Mitten in Afrika" der Wahrheit entspricht und was erfunden ist, weiß zurzeit niemand.

Verlagsleiter Moritz glaubt Ackermann - bis auf die Tatsache dass sie in Kenia war und dort gelebt hat - erst einmal nichts mehr. Hoffmann und Campe behalte sich juristische Schritte gegenüber der Autorin vor.

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