Montag, 19. November 2018

Random House Fusion steht auf der Kippe

Das Kartellamt mahnt Bertelsmann ab. Die Tochter Random House darf den Verlag Ullstein Heyne List vorerst nicht übernehmen. Random House schließt mittlerweile juristische Schritte nicht mehr aus.

Bonn - Das Bundeskartellamt will in einer Vorentscheidung den Kauf des Taschenbuchverlags Ullstein Heyne List durch Bertelsmanns Random House nicht genehmigen. Damit droht der größten Fusion auf dem deutschen Buchmarkt das Aus. Kartellamtschef Ulf Böge wies jedoch darauf hin, dass die Ablehnung noch keine endgültige Entscheidung sei.

 Random House: Kommt Bertelsman dem Kartellamt entgegen?
Random House: Kommt Bertelsman dem Kartellamt entgegen?
In der angemeldeten Form führe die Übernahme zu einer marktbeherrschenden Stellung von Bertelsmann auf dem Markt für deutschsprachige Taschenbücher, teilte das Bundeskartellamt am Donnerstag mit. Der Gütersloher Konzern würde einen Marktanteil von fast 40 Prozent erlangen und damit mehr als doppelt so viel wie der nachfolgende Wettbewerber, die Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Random House - der weltgrößte Buchverlag - hatte im Februar dieses Jahres den Verlag Ullstein Heyne List vom Axel Springer Verlag erworben. Sollte die Transaktion verboten werden, ist Bertelsmann verpflichtet, einen neuen Käufer zu suchen.

Random House will die Übernahme auf jeden Fall

Die beteiligten Unternehmen können nun bis zum 5. Juni Stellung nehmen. Random House will jedoch auf jeden Fall an der Übernahme festhalten. Wie Sprecher Tim Arnold gegenüber manager-magazin.de sagte, werde das Unternehmen notfalls auch juristische Schritte einleiten. Möglicherweise müsse ein neues Grundsatzurteil gefällt werden, so der Sprecher.

Das Unternehmen kritisiert die Argumentation des Kartellamtes. Dieses beurteilt den Taschenbuchmarkt nämlich als gewissermaßen separates Segment, das vom übrigen Buchmarkt abgegrenzt werden müsste. Aus Verbrauchersicht deckten Taschenbücher einen eigenständigen Bedarf, heißt es. Daher werde die Marktstellung bei Taschenbüchern und nicht der gesamte Buchmarkt als Maßstab für die Entscheidung genommen.

Random House kann das nicht nachvollziehen. Der Markt könne nicht in dieser Art und Weise unterteilt werden, meint Arnold. Die statistischen Erhebungen der Wettbewerbshüter seien "methodisch fragwürdig". Das Bundeskartellamt widerspreche einem Urteil des Berliner Kammergerichts aus dem Jahr 1982. Dort sei die isolierte Betrachtung des Taschenbuchsegments verworfen worden.

Random House ist der Meinung, dass die Verlagsgruppe durch den Zusammenschluss nur elf Prozent Marktanteil am gesamten deutschen Buchmarkt erreichen würde. Das sei im internationalen Vergleich kartellrechtlich unbedenklich. Eine marktbeherrschende Stellung sei deshalb nicht im Ansatz erkennbar. "Unsere Argumentation ist stark", sagte Arnold selbstsicher. Davon muss das Unternehmen nur noch das Kartellamt überzeugen.

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