Freitag, 14. Dezember 2018

Microsoft Geheimfonds für Anti-Linux-Discount

Der Softwarekonzern hat offenbar einen Spezialfonds eingerichtet, um Preiskriege gegen die Konkurrenz zu finanzieren. Das Unternehmen will damit offenbar vor allem verhindern, dass Linux als Server-Software weitere Anhänger gewinnt.

Redmond - Orlando Ayala, damals Verkaufschef beim Softwarekonzern aus Redmond, habe im vergangenen Juli in einer E-Mail an seine Mitarbeiter von der Einrichtung des Fonds berichtet. Das berichtet der "International Herald Tribune" ("IHT"), dem die Mail nach eigenen Angaben nun zugespielt wurde. Mit dem Geld aus dem Fonds - allein im Geschäftsjahr 2003 rund 180 Millionen Dollar - wolle man verhindern, dass Microsoft Großaufträge verliert, so der Bericht.

Microsoft-CEO Ballmer: Komplexe rechtliche Fragen
Wenn die Gefahr drohe, dass Konkurrenten bei Ausschreibungen von Regierungen oder bedeutenden Institutionen den Zuschlag bekommen, könnten Mitarbeiter auf den Spezialetat zugreifen, zitiert der "IHT" die Mail. So solle ermöglicht werden, Windows-Software entweder billiger oder sogar ganz kostenlos anzubieten. Der besondere Appell des Microsoft-Managers laut Bericht: "Verliert unter keinen Umständen gegen Linux". Die E-Mail sei auch an Microsofts CEO Steve Ballmer verschickt worden.

Das "Krebsgeschwür" Open Source

Laut "IHT" wirft die Existenz des Fonds komplexe wettbewerbsjuristische Fragen auf. Nach EU-Recht seien Preisnachlässe in der angebotenen Form dann nicht zulässig, wenn sie von einem Unternehmen mit dominierender Marktstellung gewährt würden. Microsoft sei sich dieser Problematik bewusst, so der "IHT", und habe die Zulässigkeit derartiger Fonds daher vor der Einrichtung von einer Londoner Anwaltskanzlei überprüfen lassen.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete am Freitag, dass die EU-Kommission dem Verdacht nachgehen wolle. "Die Kommission wird allerdings nichts unternehmen, was das laufende Verfahren gegen Microsoft behindern könnte", zitiert die Zeitung einen Brüsseler Rechtsanwalt. Eine Untersuchung könne deshalb auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Microsoft erkläre die Preisnachlässe aber für zulässig, weil sie insbesondere im Bereich Server-Software gewährt würden. Auf diesem Markt hatte Microsofts Windows im vergangenen Jahr einen Marktanteil von weniger als 50 Prozent, Linux ist mit fast 30 Prozent ein ernsthafter Mitbewerber. Zudem wies der Konzern darauf hin, dass Konkurrenten ähnliche Taktiken anwenden würden - so stelle Sun Microsystems seine StarOffice-Software vielen Regierungen und Schulen "praktisch gratis" zur Verfügung.

Von diesen rechtlichen Fragen abgesehen scheint aber eines klar: Microsofts Geschäftsgebaren bleibt auch nach Kartellverfahren in den USA und der EU weiter aggressiv. Die Firmenkultur des Unternehmens scheint sich jedenfalls wenig geändert zu haben. Vor allem die Kampagne gegen Linux wird besonders aggressiv geführt, dafür ist die zitierte Mail ein neues Indiz. Microsofts CEO Steven Ballmer hatte das Open-Source-Betriebssystem einmal mit einem "Krebsgeschwür" verglichen.

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH