Sonntag, 24. März 2019

Online-Zigaretten "Mehr als tausend wütende Kunden"

Frank Beckert bot monatelang über das Internet Zigaretten zum Schnäppchenpreis an. Niedrige Steuern in Portugal und eine EU-Gesetzesnovelle machten es möglich. Im Gespräch mit manager-magazin.de erklärt Beckert, warum er nun plötzlich mit dem Zoll zu kämpfen hat - trotz unveränderter Gesetzesgrundlage.

Ahausen - Die Domain Zigaretten.de sicherte sich die Ahauser Medien-Agentur MediaBeam bereits vor sechs Jahren. Seit November vergangenen Jahres generierte die Site auch Geschäfte für Portugal, denn hier gab es bis vor wenigen Wochen noch Zigaretten zum Schnäppchenpreis.

Günstiger rauchen mit Internets Hilfe: Der Zoll beschlagnahmt, was das Zeug hält
Ende August hatte die EU den grenzüberschreitenden und zollfreien Zigarettenverkauf neu geregelt. Und schlagartig konnten deutsche Raucher ganz legal vier Stangen pro Monat via Internet ordern und dabei ein Drittel des Preises sparen.

Als Missgeburt bezeichnete Dr. Ernst Brückner, Hauptgeschäftsführer vom Verband der Cigaretten-Industrie in Berlin, postwendend die neue Vorschrift. Wütend protestierte die deutsche Tabaklobby, während die Online-Kioske monatelang ihre unschlagbar günstigen Geschäfte machten. Nun ist Schluss damit. Schließlich sind die deutschlandweit um einen Steuer-Euro verteuerten Zigaretten schlecht abzusetzen, wenn es sie ein paar Mausklicks weiter für gut die Hälfte gibt.

Aus ist's mit der Furore, für die folgender Passus im deutschen Tabaksteuergesetz gesorgt hatte: Ausdrücklich wurde dem privaten Konsumenten auf EU-Geheiss gestattet, "bei in anderen Mitgliedsstaaten ansässigen Verkäufern Tabakwaren" zu bestellen, "telefonisch, schriftlich oder im Internet". Anschließend könne einer anderen Person der Transport der Zigaretten erteilt werden.

Die durch die EU initiierte Verwaltungsvorschrift ist zwar nicht ausser Kraft - in der Praxis fischt der Zoll die online georderte Ware aber zumeist in Frankurt aus spanischen oder portugiesischen Flugzeugen. Der Adressat bekommt dann zum frischen Nikotin eine saftige Zollsteuer-Strafe mitgeschickt.

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