Montag, 17. Dezember 2018

Wirtschaftsmedien "Thank you for flying Bauer Air"

Der Hamburger Heinrich Bauer Verlag zieht bei der "Geldidee" die Notbremse - die Redaktion wird komplett entlassen, die Produktion des Heftes dem Ex-"Capital"-Chef Ralf-Dieter Brunowsky in Köln überlassen.

Hamburg - Nachdem bereits einige deutsche Wirtschaftstitel gescheitert sind, hat die Medienkrise nun ein weiteres Opfer gefordert. Der Verleger Heinrich Bauer, der mit einem Privatvermögen rund vier Milliarden Euro zu den 20 reichsten Deutschen zählt, entlässt die komplette Redaktion seines Magazins "Geldidee" und will das Blatt künftig kostengünstig in Köln produzieren lassen.

Die Redaktion muss gehen: Das aktuelle Cover der "Geldidee"
Betroffen von dieser Entscheidung sind insgesamt 31 Mitarbeiter, für die nun laut Verlag in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat ein Sozialplan erstellt werden soll. Neuer Herausgeber des Blattes wird der frühere Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins "Capital", Ralf-Dieter Brunowsky (53), der nach seiner Entlassung durch den Verlag Gruner + Jahr Mitte 2001 die Firma BrunoMedia GmbH in Köln gegründet hatte. Diese soll ab Ende April die Produktion der "Geldidee" übernehmen.

Verlagssprecher Andreas Fritzenkötter versuchte, der Schließung der Hamburger "Geldidee"-Redaktion noch einen positiven Aspekt abzugewinnen. Fritzenkötter: "Besonders in diesen für das Segment der Wirtschaftsmagazine außerordentlich schwierigen Zeiten freuen wir uns, einen ausgewiesenen Experten für die 'Geldidee' gewonnen zu haben." Dieser Schritt untermauere den Kompetenz-Anspruch der "Geldidee", die zu den "führenden Titeln der deutschen Wirtschaftspresse" gehöre.

Der einzige Online-Redakteur musste bereits gehen

Die Entscheidung des Bauer Verlags kommt plötzlich, aber nicht ganz unerwartet. Seit dem Platzen der Börsenblase und dem jähen Ende der "New Economy" im März 2000 leidet das gesamte Segment der Wirtschaftspresse unter massiven Anzeigen- und Auflage-Verlusten.

Auch die "Geldidee" litt zunehmend unter der Krise, obwohl das Blatt sich von Anfang an durch eine starke Orientierung an Nutzwert-Themen von der großen Schar der Mitbewerber abhob. Im vierten Quartal 2002 war die Auflage der 14-täglich erscheinenden Zeitschrift auf knapp 161.000 verkaufte Exemplare gefallen, zwei Jahre zuvor hatte man pro Ausgabe noch noch mehr als 200.000 Hefte abgesetzt.

Diese Entwicklung hatte einige Mitarbeiter bereits den Job gekostet. Eines der drei "Geldidee"-Ressort wurde komplett entlassen, anschließend bekamen die Redakteure das Angebot, künftig Artikel von außen zuzuliefern. Mit ähnlichen Modellen hatte der Bauer Verlag, der für seine Sparsamkeit bekannt ist, schon bei anderen Blättern gearbeitet.

Entlassen wurde auch der einzige Online-Redakteur. Seitdem wird "Geldidee Online" von einer Bauer-Abteilung in Hamburg Harburg betreut, die unter anderem für "Praline Interaktiv" und andere Erotik-Angebote des Verlages zuständig ist.

Die Redaktion erfuhr von ihrer anstehenden Entlassung am Freitag-Vormittag. Gegenüber manager-magazin.de sagte ein Mitarbeiter, man habe angesichts der aktuellen Medienkrise und der "bekannten Rendite-Vorgaben des Verlegers" einen solchen Schritt schon seit einiger Zeit befürchtet.

Der Redakteur: "Man kann es nur mit Galgenhumor nehmen. Wir haben hart gekämpft und das Konzept stimmte, aber der Verleger wollte nicht mehr. Da kann man nichts machen. Jetzt heißt es 'Thank you for flying Bauer Air'."

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