Donnerstag, 15. November 2018

Freenet Schon wackelt der Stuhl von Grenz

Schwere Schlappe für Mobilcom-Chef Thorsten Grenz: Der Aufsichtsrat kassiert seine Pläne zur Veräußerung der Online-Tochter Freenet. Die Kontrolleure diskutieren bereits über Grenz' Ablösung.

Düsseldorf – Die Mobilcom-Onlinetochter Freenet wird offenbar nicht veräußert. Wie das "Handelsblatt" berichtete, hat der Aufsichtsrat des angeschlagenen Telekomunternehmens Pläne zum Verkauf des Internetproviders gestoppt.

 Steht unter Druck: Mobilcom-Chef Grenz
DDP
Steht unter Druck: Mobilcom-Chef Grenz
"Der Aufsichtsrat hat mir erklärt, dass die Veräußerung von Freenet vom Tisch ist", sagte Freenet-Chef Eckhard Spoerr. "Es findet kein Notverkauf von Freenet statt", sagte ein Mobilcom-Aufsichtsratsmitglied.

Freenet ist nach T-Online der zweitgrößte deutsche Internetdienst. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen hat 3,5 Millionen Kunden. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Freenet mit einem Umsatz von 40 Millionen Euro.

Das Veto des Aufsichtsrats ist ein herber Rückschlag für Mobilcom-Chef Thorsten Grenz. Der hatte erst vor kurzem angekündigt, die 76-Prozent-Beteiligung an der Internettochter verkaufen zu wollen und zugleich einen Aufschlag von 50 Prozent auf den aktuellen Börsenkurs gefordert.

Mit dem Erlös wollte Grenz zügig die Finanzspritze des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein von 162 Millionen Euro zurückzahlen. Allerdings hat der Aufsichtsrat von Mobilcom Börsen-Chart zeigen bedenken.

Das Gremium fürchtet, dass derzeit am Markt kein attraktiver Preis erzielt werden kann. Auch sei eine überhastete Veräußerung nicht notwendig, nachdem der Großaktionär France Telecom mehr als sieben Milliarden Euro Schulden übernommen hat.

Entsprechend kritisch wird der Sanierungskurs des Vorstandschefs von den Aufsehern beurteilt. "Dies war ungeschickt von Grenz", kommentierte ein Mitglied den Kurs von Grenz. Der Gescholtene soll sich für sein Vorgehen mittlerweile beim Kontrollgremium entschuldigt haben.

Immer deutlicher melden sich unterdessen Stimmen zu Wort, die Grenz als Konzernchef in Frage stellen. Es werde offen darüber diskutiert, ihn durch einen erfahrenen Manager aus der Telekombranche zu ersetzen, hieß es aus Aufsichtsratsskreisen. Grenz hatte den Chefsessel von Mobilcom erst am 21. Juni 2002 von Firmengründer Gerhard Schmid übernommen.

© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH