Montag, 17. Dezember 2018

FAZ Ballast von Bord

Radikale Einschnitte kündigt der designierte Aufsichtsratschef der FAZ GmbH, Wolfgang Bernhardt, an. Das FAZ Businessradio wird eingestellt, die Buchverlage stehen zum Verkauf. Am Herausgeberstatut soll aber nicht gerüttelt werden.

Frankfurt/Main - Wolfgang Bernhardt, designierter Aufsichtsratsvorsitzende der FAZ GmbH, hat die Nase voll. Seit Wochen kursieren Gerüchte, wie sich das angeschlagene Verlagshaus aus der Krise manövrieren wrd. In einem Interview mit der hauseigenen "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) stellt er nun klar, welchen Weg das Verlagshaus einschlägt. Der Verlags-Sanierer beendet damit gleichzeitig auch Spekulationen, um die Installation eines "FAZ"-Chefredakteurs – sprich "Welt"-Chefredakteur Wolfram Weimer.

Wolfgang Bernhardt will die "FAZ" aus der Krise führen
Bernhardt kündigt in dem Interview drastische Einschnitte an. Das Unternehmen werde sich von Randbereichen des Zeitungsgeschäfts trennen. Im Klartext: Das Ende des FAZ Businessradios ist offiziell besiegelt. Die Buchverlage sollen langfristig abgestoßen und die beiden Online-Angebote des Blattes zusammengelegt werden. An dem Herausgeberstatut werde sich aber bei der "FAZ" nichts ändern, betont Bernhardt. Das Prinzip, die Leitung des Hauses auf mehrere Herausgeber zu verteilen, werde nicht aufgegeben: "Kein Zweifel, Kollegialität ist immer schwieriger als "Alleinherrschaft", aber sie ermöglicht (...) Lösungen, die sich sehen lassen können und Bestand haben."

Sanierung ohne fremde Hilfe

"Es geht bei uns - wie bei anderen - um die Verabschiedung von Randbereichen und die Bündelung der Kräfte auf das Kerngeschäft", sagte Bernhardt weiter. Es bestehe "kein Zweifel, dass wir uns auf einem schwierigen und steinigen Weg befinden", sagte Berhardt.

Die Probleme werde man "mit Bordmitteln und ohne fremde Hilfe" und sicherlich "ohne falsche Freunde von außen" bewältigen. Ihre Unabhängigkeit sei das größte Kapital der Zeitung. Bernhardt betont, dass die FAZ trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage schuldenfrei sei und auch zum Jahresende 2002 keine Bankschulden haben werde. Die FAZ hatte 2001 ein Minus von 27 Millionen Euro erwirtschaftet.

Aus fürs FAZ Business Radio

Bernhard erteilte, Gerüchte eine Absage, die erst vor kurzem gestartete "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" wieder einstellen zu wollen. Die Sonntagszeitung befinde sich "in einer Anlaufphase, die Geld kostet", zähle aber zum unmittelbaren Kerngeschäft und sei ein hochwertiges Produkt.

Der Verlags-Sanierer verkündete zudem das Aus für das komplette FAZ-Businessradio. Nicht nur die Standorte München und Frankfurt sollen aufgegeben werden auch Berlin steht vor dem Ende. Bernhardt sagte jedoch am Mittwoch: "Wir werden uns von den FAZ-Businessradios verabschieden, in der einen oder anderen Form. In München vollzieht sich das Ende Oktober (...), in Frankfurt und Berlin im Laufe des Monats November." Das FAZ-Radio war im November 2000 on Air gegangen.

Wie Bernhardt weiter erklärt, wolle sich die FAZ im Zuge der Kappung der Randbereichen auch von seinen Buchverlagen trennen: "Ich glaube, dass unsere Buchverlage (...) eine gefährliche Zwischengröße besitzen. Sie sind nicht klein genug, und sie sind nicht groß genug." Man werde aber nichts überstürzen und die Verlage DVA, Kösel und Manesse nicht billig verramschen.

Die beiden Internet-Auftritte FAZ.net und FAZ.de sollen zu einem Angebot verschmolzen werden, das teilweise kostenlos sein soll. Bernhardt soll Hans-Wolfgang Pfeifer nachfolgen, der seit 1995 Aufsichtsratsvorsitzender war und im Juli dieses Jahres starb.

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