Samstag, 15. Dezember 2018

DAB Bank Sommertheater und andere Geschichten

Allen Verkaufsgerüchten zum Trotz - der DAB-Chef Matthias Kröner will an einer eigenständigen, europäischen Positionierung festhalten. Dennoch schließt er eine Fusion oder andere Optionen nicht gänzlich aus.

Frankfurt - "Wenn sich strategische Möglichkeiten ergäben, würden wir sie gründlich prüfen. Im Übrigen wäre es fahrlässig, dies nicht zu tun", sagte Matthias Kröner, Vorstandschef der DAB Bank Börsen-Chart zeigen, der Nachrichtenagentur Reuters.

Matthias Kröner hat in Großbritannien einen neuen Partner gefunden. "Die Tinte ist trocken"
Matthias Kröner hat in Großbritannien einen neuen Partner gefunden. "Die Tinte ist trocken"
Kröner wies Informationen aus Bankenkreisen zurück, denen zufolge die DAB-Muttergesellschaft HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen einen Verkauf ihres Anteils an dem Broker anstrebt, sollte DAB das Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses verfehlen. "Derartige Spekulationen sind dem Sommertheater zuzurechnen", sagte Kröner.

Am Vortag hatte es aus Bankenkreisen geheißen, die HypoVereinsbank, die knapp 65 Prozent an der DAB Bank hält, spreche mit europäischen Interessenten über einen Verkauf ihrer Anteile. Es sei aber noch nichts entschieden und auch andere Möglichkeiten, wie ein Verkauf von Teilbereichen oder eine Partnerschaft seien möglich. Albrecht Schmidt, Vorstandsvorsitzender der HypoVereinsbank, hatte den verlustbringenden Einheiten der Bank ein Ultimatum gestellt, bis Jahresende Pläne zur Wiedererlangung der Profitabilität vorzulegen.

DAB senkt Kosten

Kröner betonte, sein Haus werde 2003 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. "Wir werden dieses Ziel unverändert erreichen." Insgesamt wolle die DAB Bank an ihrer Positionierung in derzeit sechs europäischen Staaten festhalten, sich auf eine mögliche Verbesserung der Situation an den Kapitalmärkten vorbereiten und 2003 den Break-even erreichen.

Der Broker arbeite vor allem daran, die Kosten zu senken. Beim Personalbestand befinde sich die Bank mit etwas über 800 Mitarbeitern im Zielkorridor für 2002. Die angestrebte Ausgliederung im IT-Bereich mache Fortschritte, sagte Kröner, ohne Details nennen zu wollen. Einen Ausblick auf die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal oder das Gesamtjahr 2002 gab Kröner nicht. Experten erwarten, dass die DAB Bank auch im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust ausweisen wird.

Im zweiten Quartal hatte DAB ihren Verlust vor allem auf Grund sinkender Kosten im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. Der Konzernverlust nach Steuern und Minderheitenanteilen lag bei 12,92 Millionen Euro, im Vorjahr meldete das Unternehmen einen Fehlbetrag von 24,27 Millionen Euro.

Kröner sagte weiter, unter einem Kooperationsvertrag mit einem neuen Partner in Großbritannien sei "die Tinte trocken". Beide Unternehmen könnten aber noch nicht an die Öffentlichkeit gehen. In Branchenkreisen wird seit längerem davon ausgegangen, dass es sich dabei um die britische Internetbank Smile handelt.

Spekulationen um eine Fusion der DAB mit dem Online-Broker Comdirect Börsen-Chart zeigen hatte der Broker-Chef Achim Kassow bereits am Vortag den Boden entzogen. Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen-Tochter habe ein drastisches Kostensenkungsprogramm eingeleitet, das auch sicherstellen solle, dass der Broker keinen Partner benötige, so Kassow. Die Comdirect hatte mitgeteilt, rund ein Drittel ihrer Belegschaft in Deutschland abbauen zu wollen. Bei ihrer strategischen Ausrichtung will sich Comdirect anders als die DAB Bank vor allem auf den Kernmarkt Deutschland konzentrieren.

Andreas Funke, Reuters

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