Mittwoch, 17. Oktober 2018

SinnerSchrader Abgang eines Gründers

Der Hamburger Internet-Dienstleister verliert einen seiner wichtigsten Köpfe: Oliver Sinner verlässt das Unternehmen.

Hamburg - Oliver Sinner tritt ab. Der 33jährige Mitgründer und Vorstandschef des am Neuen Markt notierten Internet-Dienstleisters SinnerSchrader Börsen-Chart zeigen erklärte heute morgen, dass er zum 31. August aus dem Unternehmen ausscheiden werde.

Oliver Sinner
Matthias Schrader (34), neben Sinner der zweite Gründer und Vorstandschef, soll dann alleine die Führung von SinnerSchrader übernehmen. Der bisherige Technologievorstand Detlef Wichmann (36) steigt zum Chief Operating Officer (COO) auf.

Äußerer Anlass für Sinners Abgang sind die enttäuschenden Quartalszahlen, die SinnerSchrader ebenfalls heute morgen bekannt gab. Der Umsatz im 2. Quartal 2002 fiel gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,4 Millionen Euro auf jetzt 2,9 Millionen Euro. Das Unternehmen machte im zweiten Quartal einen Verlust vor Abschreibungen (Ebitda) von 1,1 Millionen Euro.

Vertriebserfolge blieben aus

"Wir haben in den vergangenen Monaten nicht die Vertriebserfolge erzielt, die wir uns vorgenommen hatten", sagte Sinner gegenüber manager-magazin online. "Hierfür trage ich die Verantwortung." Sinner, ein ehemaliger Sozialarbeiter, war bei SinnerSchrader vor allem für den Vertrieb und für die Außendarstellung des Unternehmens zuständig, während sich Schrader um die internen Prozesse kümmerte.

Folge dieser Aufgabenteilung: Das Unternehmen wurde bei Aktionären und Kunden vor allem mit dem extrovertierten Oliver Sinner identifiziert. Schrader dürfte es daher schwer haben, seine neue Rolle als alleiniger Vorstandschef auszufüllen.

Oliver Sinner betonte, dass er auf eigenen Wunsch ausscheide und dem Unternehmen auch weiterhin "beratend zur Verfügung stehen werde". Sinner: "Bei uns gabs keinen Zoff". Auch bleibe er der größte Einzelaktionär von SinnerSchrader. Sinner ließ jedoch offen, ob er einen Wechsel in den Aufsichtsrat anstrebe.

Bereits in den vergangenen Monaten war Sinner deutlich anzumerken, dass er die Lust am mühsam gewordenen Geschäft bei SinnerSchrader verloren hatte. Nach einigen Monaten Auszeit will sich Sinner nach einer neuen beruflichen Aufgabe umsehen, "entweder als Angestellter oder als Berater, wahrscheinlich wieder im Bereich Internet oder Kommunikation".

Deutsche Bank prüft derzeit alle Internetprojekte

Die rund 200 Beschäftigeten von SinnerSchrader programmieren Webseiten und andere internetbasierte Software-Lösungen für Unternehmen. Zu den wichtigsten Kunden gehören DaimlerChrysler, Tchibo und die Deutsche Bank.

Vor allem die Deutsche Bank steht jedoch auch stellvertretend für die Probleme von SinnerSchrader: Der Finanzkonzern überprüft derzeit alle seine Internetprojekte, neue Web-Investitionen liegen auf Eis. In Folge dessen kann SinnerSchrader seine Berater und Programmierer nicht auslasten.

IPO-Einnahmen sind großteils noch vorhanden

Gemildert wird die Situation dadurch, dass SinnerSchrader nach seinem Börsengang nicht in den Expansionswahn anderer Internet-Unternhmen verfiel. Im Unterschied zu Wettbewerbern wie Pixelpark oder der pleite gegangenen Kabel New Media AG beschränkte sich SinnerSchrader stets auf den Deutschen Markt und investierte relativ wenig Geld in windige Startup-Unternehmen.

Der größte Teil des Erlöses aus dem Börsengang von SinnerSchrader liegt daher noch auf den Konten des 1996 gegründeten Unternehmens. Die 28,7 Millionen Euro an liquiden Mitteln dürften SinnerSchrader auf lange Zeit vor einer Insolvenz schützen.

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