Dienstag, 11. Dezember 2018

"Online Today" Jähes Ende nach dem Relaunch

Der Verlag Gruner+Jahr stellt das Magazin wegen fehlender Perspektiven ein.

Hamburg - Der Einbruch im Internet-Geschäft hat zwei weitere Opfer gefordert. Der Hamburger Großverlag Gruner+Jahr (G+J) stellt seine Zeitschrift "Online Today" nach etwa sechs Jahren wieder ein. Die Juni-Ausgabe des Magazins wird die letzte sein.

Veränderungen gibt es auch bei dem in Frankreich erscheinenden "Web Magazine". Die G+J-Tochter Prisma Presse stellt die Erscheinungweise von monatlich auf "sporadisch erscheinende Sonderhefte" um. Das beschloss der Aufsichtsrat des Verlags auf einer Sitzung am Dienstag-Mittag.

Ein wesentlicher Grund für die Einstellung von "Online Today" war der unbefriedigende Absatz des Magazins, der in den letzten Monaten immer stärker nachgelassen hatte. Zuletzt hatte der Verlag eine Auflage von rund 116.000 Exemplaren gemeldet, ein Verlust von rund 30 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2001. Die Zahl der Anzeigenseiten sank gleichzeitig um mehr als 40 Prozent.

Begonnen hatte die Talfahrt bereits Ende 1999: Damals lag die Auflage noch bei ca. 180.000, ab dann ging es stetig nach unten.

Am Ende wurde sogar mit der Konkurrenz verhandelt

Nachdem die Probleme des Magazins immer gravierender geworden waren, hatte Gruner+Jahr zuletzt noch Gespräche mit der Konkurrenz aufgenommen, um über einen Verkauf des notleidenden Objektes zu verhandeln. Man traf sich mit der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße (VGM), die mit der Zeitschrift "Tomorrow" ein ähnliches Blatt im Portfolio hat.

Nach Angaben aus gut informierten Kreisen wurde dabei eine "Doppellösung" sondiert: Die VGM, die auch das erfolgreiche Fernsehblatt "TV Spielfilm" herausgibt, sollte den missliebigen Mitbewerber "TV Today" von Gruner + Jahr übernehmen und dabei das Schwesterblatt "Online Today" quasi als Beigabe bekommen.

Davon hätte nach Einschätzung von Branchenkennern auch Gruner+Jahr profitiert. "TV Today", Ende 1994 mit großem Aufwand gestartet, erwirtschaftet bis heute keine vorzeigbare Rendite. Die Auflage ist unter die Grenze von einer Million gefallen, und eine Verbesserung ist kaum abzusehen.

Beide Blätter erscheinen im Magazin-Verlag am Fleetrand (MVF), einer 100-prozentigen Tochter von Gruner+Jahr, die eng verbunden ist mit dem ehemaligen Verlagsmanager Andreas Schmidt. Der hatte nach verschiedenen Stationen bei Burda, Springer und Bauer Verlag bei Gruner+Jahr angeheuert und dort sowohl "TV Today" als auch "Online Today" aus der Taufe gehoben. Einige Jahre später wechselte er zu AOL und von dort zu Bertelsmann, wo er allerdings Ende 2001 sehr kurzfristig ausschied. Inzwischen soll er Deutschland den Rücken gekehrt haben und in die USA gewechselt sein.

Auch Sex konnte den Niedergang nicht aufhalten

"Online Today" beschäftigte am Ende etwa 30 Mitarbeiter. Was aus ihnen wird, ist noch unklar. Seitens des Verlages heißt es, es würden "sozialverträgliche Lösungen angestrebt und dort, wo es möglich ist, interne Stellenangebote geprüft".

Die Redaktion hatte erst vor wenigen Tagen die Arbeit an einem Relaunch abgeschlossen, mit dem das Blatt neu als "Männertitel" positioniert werden sollte. Wie das zu verstehen ist, veranschaulicht die Mai-Ausgabe des Magazins (siehe oben): Neben dem relativ gewagten Titelbild einer leicht bekleideten Carré Otis findet sich dort eine Geschichte über "SMS-Sex" und ein Testbericht zu Erotik-Shops.

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