Freitag, 16. November 2018

Mediantis Das letzte Kapitel

Grabrede für einen Pleitekandidaten - der Online-Buchhändler wird aufgelöst.

München - Die Aktionäre des verlustreichen Internet-Buchhändlers Mediantis haben das Ende der Neuen-Markt-Firma besiegelt. Mit großer Mehrheit votierten sie auf einer Außerordentlichen Hauptversammlung für die Auflösung der Gesellschaft.

DPA
Ab Donnerstag dieser Woche geht das Kerngeschäft unter der Marke Buecher.de an den Konkurrenten Booxtra, einem Gemeinschafts-Unternehmen des Springer-Verlags, des Holtzbrinck-Verlags, der Verlagsgruppe Weltbild und der Deutschen Telekom.

"Das ist das Eingeständnis, dass das Geschäftsmodell, in das wir investiert haben, gescheitert ist", sagte Christoph Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Mittwoch in München. Mit der Zustimmung zur Liquidation läuteten die Aktionäre die nächste Runde in der Konsolidierung unter den deutschen Internet-Buchhändlern ein.

Tief in der Verlustzone

Die Neunmonatszahlen, die Vorstandschef Georg Heusgen den Aktionären präsentierte, zeigten noch einmal deutlich, warum das am Neuen Markt Mediantis aufgibt. Der Netto-Verlust verdoppelte sich fast auf 21,4 Millionen Mark. Der Umsatz stagnierte bei 26,2 Millionen Mark. "Man braucht aber 80 bis 100 Millionen Mark Umsatz, um die Gewinnschwelle erreichen zu können", glaubt Heusgen. Dass bis 2003 der Break Even hätte erreicht werden können, glaubt selbst der Vorstand nicht mehr.

Im Gegensatz zu anderen Firmen am Neuen Markt zieht Mediantis damit bereits vor einer drohenden Insolvenz die Notbremse. Ende September verfügte der Konzern noch über liquide Mittel in Höhe von knapp 20 Millionen Mark.

Aktie verflüchtigt

Mediantis war wie so viele Firmen voller Euphorie am Neuen Markt gestartet. Beim Börsengang sammelte das Unternehmen - damals noch unter dem zugkräftigeren Namen Buecher.de - bei einem Ausgabepreis von 19 Euro bei den Anlegern 38 Millionen Euro ein. Den Erlös aus der Auflösung schätzte Heusgen nun auf 1,30 bis 1,80 Euro je Aktie. Gut 60 Aktionäre nahmen in nüchterner Stimmung Abschied. "Der Kleinaktionär konnte zwei Jahre zusehen, wie sich der Wert seiner Aktie verflüchtigte", sagte Michael Leipold von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Online-Buchhandel ist ein schwieriges Geschäft. Der hier zu Lande übliche kostenlose Versand drückt auf die Margen. Marktführer Amazon dominiert in Deutschland mit einem Anteil von etwa 50 Prozent. "Wir machen ein Geschäft, dass stark von einer kritischen Größe abhängig ist", sagt Amazon Deutschland-Chef Philipp Humm. Für die Nummer zwei oder drei im Markt werde es immer schwieriger. Im vierte Quartal will Amazon in Deutschland operativ die Gewinnschwelle erreichen.

Booxtra übernimmt Buecher.de

Der Augsburger Online-Händler Booxtra, der für die Marke Buecher.de fünf bis sieben Millionen Mark an Mediantis zahlt, sieht sich jetzt als klare Nummer zwei in Deutschland. Seit dem Sommer arbeite Booxtra wegen seiner schlanken Strukturen profitabel, sagte Geschäftsführer Klaus Driever der dpa. Auch Buecher.de werde schnell schwarze Zahlen schreiben. Das Unternehmen habe es einfacher als Mediantis, weil es auf die Erfahrung und die Infrastruktur der Verlage zurückgreifen könne, betonte Heusgen.

Mediantis wird also abgewickelt wird. Die Schweizer Tochtergesellschaft buch.ch geht für 2,7 Millionen Mark an den Konkurrenten Buch.de. Das Mobilar und die Computer sollen schnellst möglich verkauft werden. Auch der Börsenmantel steht zum Verkauf. "Die Zahl der Mitarbeiter kann bis Mitte 2002 auf einen reduziert werden. Dieser kann sicher auch Teilzeit arbeiten", sagte Heusgen. Derzeit hat Mediantis noch gut 80 Mitarbeiter. Booxtra übernimmt sie nicht.

Axel Höpner, dpa

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