Montag, 17. Dezember 2018

Ingo Dubinski Bildschirmverbot beim MDR

Der Fernsehmoderator soll inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen sein.

Ingo Dubinski soll für die Stasi gespitzelt haben
AP
Ingo Dubinski soll für die Stasi gespitzelt haben

Leipzig - Die Stasi-Debatte im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zieht jetzt größere Kreise bis in die ARD. Showmaster und Moderator Ingo Dubinski hat nach einem Bericht in der Freitagsausgabe der "Mitteldeutschen Zeitung" (MZ) für die Staatssicherheit gearbeitet.

"Wir haben Unterlagen zur Verfügung gestellt, aus denen hervorgeht, dass Ingo Dubinski als Inoffizieller Mitarbeiter geführt wurde", bestätigte eine Sprecherin der Berliner Gauck-Behörde auf Anfrage.

Zwangspause

In einer ersten Reaktion hat der MDR am Donnerstag den 37-jährigen Moderator vorerst vom Bildschirm genommen. "Bis zur Klärung der Vorwürfe wird er seine Reisesendung nicht mehr machen", sagte MDR-Sprecher Eric Markuse. Dubinski moderiert seit 1992 die fünf Mal im Jahr ausgestrahlte Sendereihe "Mit Dubinski reisen".

Der Berliner gehört zu den freien Mitarbeitern des Senders, die nun in einer zweiten Stasi-Überprüfung ihre Akten selbst anfordern müssen. "Wir haben keine Unterlagen von ihm, werden uns die Akte aber jetzt schnellstens besorgen", sagte Markuse. Die Sache werde geprüft.

Auch der Stuttgarter SWR, für den Dubinski die "Wunschbox" moderiert, will den Fall "sorgfältig" prüfen und "schnell eine Entscheidung treffen", sagte SWR-Sprecher Claus Schneggenburger. Der NDR wird nach Beratung entscheiden, ob Dubinski wie geplant am 8. September seine erste Samstag-Abend-Show "Das Lied zum Glück" für die ARD- Fernsehlotterie präsentieren darf. "Wir beraten und reagieren", sagte Wolfgang Brackhahn von der Redaktion der "ARD-Fernsehlotterie", die Dubinski bisher moderierte.

Verpflichtung in der Armeezeit

Dubinski habe sich 1983 während seiner Armeezeit gleich zwei Mal handschriftlich verpflichtet, schreibt das Blatt unter Berufung auf die ihm vorliegende Stasi-Akte. In der ersten Erklärung habe er zugesichert, Informationen über einen kirchlich engagierten Soldaten zu liefern. Das zweite Mal habe er sich den Decknamen "Diplomat" gewählt.

In den Berichten und während seiner Treffen mit dem MfS hat Dubinski laut MZ-Bericht intensiv personenbezogene Informationen über den Soldaten geliefert. Zudem habe er den Spind seines Kameraden durchsucht, über den Inhalt berichtet und kirchliches Material übergeben.

Die Stasi habe die Zusammenarbeit mit Dubinski eingestellt, weil er sich gegen ein vorgesehenes außenpolitisches Studium in Moskau entschied. 1988 unterlag er jedoch erneut einem Erfassungsverhältnis, diesmal durch die für Militärspionage im westlichen Ausland zuständige Abteilung IV der Hauptverteilung Aufklärung, schreibt das Blatt. "Wenn die Vorwürfe stimmen, dann wird er für uns nicht mehr arbeiten", sagte MDR-Sprecher Markuse.

Erster Stasi-Fall des SWR

Für den SWR ist es der erste Stasi-Fall, für den MDR ein neuer Name in einer ganzen Reihe.

Seit Anfang des Jahres werden alle rund 2000 MDR-Angestellten per Regelanfrage bei der Beauftragten für die Stasi-Unterlagen auf Verstrickungen in das Spitzelsystem überprüft. Von den mehreren hundert Samstag-Abend-Show «Das Lied zum Glück» für die ARD- Fernsehlotterie präsentieren darf. feste freien Mitarbeitern erwartet der Sender, dass sie ihre Überprüfung selbst veranlassen.

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