Mittwoch, 19. Dezember 2018

Klatten-Porträt Der Erlöser

"Ich werde auch künftig die Interessen meiner Kapitalgeber vertreten." Werner Klatten hat Erfahrung mit schwierigen Missionen.

München - Der designierte EM.TV-Chef Werner Klatten wird in der Medienbranche auch "der Erlöser" genannt. Schließlich hat der 55-jährige Jurist schon zahlreiche Herausforderungen erfolgreich gemeistert.

Überraschungscoup gelungen: Werner E. Klatten.
Überraschungscoup gelungen: Werner E. Klatten.
Als Sat.1-Geschäftsführer war er 1992 maßgeblich an den Coup beteiligt, die Rechte der Fußball-Bundesliga zu dem TV-Privatsender zu holen. Beim Hamburger SPIEGEL-Verlag baute Klatten zudem die Online-Tochter SPIEGEL net AG mit auf.

Vom Rechtsanwalt zum Medienspezialisten

Beim krisengeschüttelten Münchner Medienunternehmen EM.TV Börsen-Chart zeigen wird er seine Erfahrungen gut gebrauchen können. Bei dem ehemaligen Börsenliebling am Neuen Markt warten viele unerledigte Hausaufgaben.

Klattens berufliche Laufbahn begann 1973 als Anwalt in einer Kanzlei in Hamburg. Nach einem längeren Abstecher beim Zigarettenhersteller Martin Brinkmann AG stieg er 1988 ins Mediengeschäft ein und ging zum Privatsender Sat.1, der vom Münchener Medienzar und Rechtehändler Leo Kirch kontrolliert wurde. Dort baute er die Fußball-Bundesliga-Berichterstattung auf und entwickelte neue Unterhaltungsformate.

Kritik blieb nicht aus, als die neue Fußball-Sendung "ran" mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Auch mit Kirch geriet er aneinander. Mit seiner Äußerung, nicht die Sender, sondern die Programmlieferanten machten die Gewinne, zog er sich den Unmut Kirchs zu, der einer der größten Film- und Programmhändler ist.

Gute Kontakte

Auf sein heutiges Verhältnis zu Kirch angesprochen, sagt der aus Esslingen bei Stuttgart stammende Klatten am Mittwoch selbstbewusst, er habe damals die Interessen seiner Kapitalgeber vertreten und werde dies auch künftig tun.

Kirch ist nicht der einzige einflussreiche Unternehmer, mit dem er in Kontakt kam. Er ist mit der Bad Homburger Industriellenfamilie Quandt verwandt, die an dem Autohersteller BMW maßgeblich beteiligt ist: Quandt-Erbin Susanne Klatten ist die Ehefrau seines Bruders.

Das Privatleben bleibt privat

Nach einem offenbar nicht freiwilligen Abgang bei Sat.1 - sein Vertrag wurde nicht verlängert - landete Klatten 1994 beim Hamburger SPIEGEL-Verlag und leitete zuletzt dessen Online-Ableger SPIEGEL net AG. Auch vor Rückschlägen blieb er nicht gefeit. Im April stellte die nicht börsennotierte Aktiengesellschaft unter seiner Regie mangels Perspektiven und Partnern das Internet-Projekt "Portal 100" ein.

Als Leiter des SPIEGEL-Geschäftsbereichs "Märkte und Erlöse" beschäftigte er sich zuvor vor allem mit Zahlen und dem Anzeigengeschäft - ein scheinbar trockeneres Geschäft als das seines schillernden EM.TV-Vorgängers Thomas Haffa. Dieser zelebrierte auch sein Privatleben öffentlich und ließ sich als Sunnyboy mit Sektglas auf seiner Jacht ablichten. Über Klattens Privatleben ist nur bekannt, dass er gerne Klavier spielt.

Bei seinem ersten Auftritt als neuer EM.TV-Chef sprach er ruhig und bedächtig - und zeigte zugleich Selbstbewusstsein: "Sat.1 hatte nach meinem Weggang 15 Prozent Marktanteil, heute sind es noch zehn Prozent."


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