Freitag, 14. Dezember 2018

Supermarkt Euphorie verflogen

Nach der Webvan-Pleite schrumpft auch die Zahl der Internet-Supermärkte in Deutschland.

Düsseldorf - "Ich wollte schon immer einen Markt, der frische Sachen ins Haus bringt, bitte weitermachen", schrieb eine Kundin dem Internet-Supermarkt Leshop.de einst ins Gästebuch. Seit Juni muss sich die Mutter zweier Kinder wieder den Stress an der Ladentheke antun: www.Leshop.de fand keine finanzkräftigen Investoren und gab auf.

Kunden wählen meist noch den Weg in den Laden
DPA
Kunden wählen meist noch den Weg in den Laden
Auch viele andere virtuelle Läden in Deutschland verdienten wegen hoher Kosten für die Logistik zu wenig und machten die virtuelle Kasse dicht. Nun rollen die großen Handelskonzerne Spar, Metro, Edeka, Tengelmann oder Rewe den Markt in den Ballungsräumen auf. Doch noch zögern die Bundesbürger, Butter oder Salat per Mausklick zu ordern.

1,2 Milliarden Dollar verbrannt

Vor zwei Jahren war die Euphorie groß: Supermärkte, die über das Internet Frischwaren oder Biogemüse pünktlich zu vertretbaren Preisen ins Haus lieferten, schienen eine Goldgrube zu sein. Dass diese Hoffnungen selbst im Internet-Wunderland USA trügerisch waren, beweist der Konkurs des Online-Marktes Webvan. Fast 1,2 Milliarden Dollar investiertes Kapital hat der Internet-Supermarkt verpulvert. Mitte Juli schloss der 1998 gegründete Händler seine Netz-Filialen.

Doch auch in Deutschland grassiert in der Branche die Pleitewelle: Mitte Mai meldete der Leipziger Internet-Supermarkt Uniriese Konkurs an, nachdem er pro Monat 50.000 Mark Verlust verbuchte. Der deutsche Ableger des Schweizer Internet-Supermarktes Le Shop schloss im Juni die Pforten, weil sich nach der Ausgliederung kein finanzkräftiger Investor fand, der die notwendigen 20 Millionen Mark zum Erreichen der Gewinnschwelle vorstreckte.

Tengelmann steckt zurück

Auch große Konzerne steckten zurück. Die Tengelmann-Gruppe strich bei den Online-Shops in Frankfurt am Main und Düsseldorf die Segel. "Das Internet-Geschäft hat sich in diesen Regionen nicht durchgesetzt", sagt eine Sprecherin. Tengelmann bleibt aber mit seinen Internet-Supermärkten in München und Berlin im Netz, und die anderen großen Händler bauen ihre virtuelle Präsenz auf.

So ist die Kölner Rewe im Raum Dortmund aktiv. Dort können Kunden unter www.rewekommt.de das Online-Angebot testen. Bei Erfolg soll der Service bundesweit angeboten werden. Edeka kündigte unlängst an, Anfang 2002 ein Pilotprojekt im Raum Hannover zu starten. Die Metro-Tochter Real plant nach Angaben einer Sprecherin entgegen anders lautenden Gerüchten keinen Internet-Markt.

Karstadt verzichtet auf Lebensmittel

Das Warenhaus Kaufhof bietet zwar bereits Lebensmittel im Netz an. Hans-Peter Platzbecker vom Kaufhof an der Düsseldorfer Königsallee gibt aber zu bedenken: "Es ist interessant, dabei zu sein. Aber die großen Geschäfte kann man damit nicht machen." Konkurrent Karstadt ist erst gar nicht in das Geschäft eingestiegen. "Wir waren schon recht früh der Überzeugung: Lebensmittel über das Internet, das läuft nicht", sagt eine Sprecherin und verweist auf das Aus des US-Konzerns Webvan.

Otto und Citti bleiben am Ball

Eine der wenigen Firmen, die nach eigenen Angaben profitabel arbeiten, ist das Gemeinschaftsunternehmen des Hamburger Otto-Versandes mit dem Großhändler Citti. Zahlen zu Ergebnis oder Umsatz nennt Otto allerdings nicht. Das Hauptgeschäft erstreckt sich dabei auf den Ballungsraum Hamburg. Bundesweit liefert Otto ein eingeschränktes Sortiment von Lebensmitteln.

Schwarze Zahlen schreibt nach eigenen Angaben auch das Krefelder Familienunternehmen Kleibrink und Antwerpen Gbr. Unter www.freude-am-kaufen.de bietet der Internet-Markt seit Mai 1999 mehr als 60.000 Lebensmittel im Großraum Krefeld an. Firmenchef Volker Kleibrink gibt sich trotz des harten Wettbewerbs optimistisch und strebt weiteres Wachstum an. Im Schnitt liege das Volumen pro Order bei rund 200 Mark.

Hauptproblem: Logistik

Marktforscher erwarten, dass in den kommenden Jahren rund fünf Prozent des Branchenumsatzes von zurzeit 250 Milliarden Mark über das Internet umgesetzt werden könnten. Das Fraunhofer-Institut in Dortmund sieht "die Zeit reif", um auch im Online-Lebensmittelhandel Geld zu verdienen. Entscheidend für das Überleben sei die Logistik. Viele Unternehmen unterschätzten die auf sie zu kommenden Kosten. Hinzu komme, dass die Internet-Seiten kompliziert seien und viele Kunden abschreckten.

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