Freitag, 16. November 2018

SAP vs. Oracle Duell auf dem Wasser

Oracle-Chef Larry Ellison sponsert das US-Segelteam beim America's Cup. Jetzt hält SAP-Lenker Hasso Plattner mit dem Team New Zealand dagegen.

Es ist noch nicht offiziell verkündet, aber intern schon beschlossene Sache: Hasso Plattners Software-Unternehmen SAP sponsert das Team New Zealand bei der anstehenden America's-Cup-Verteidigung. Damit könnte die lang währende sportliche Fehde zwischen den beiden Software-Magnaten Hasso Plattner und Larry Ellison in die nächste Dimension wechseln.

Fährt künftig unter SAP-Flagge: Neuseeland-Segler
Denn Ellison, Chef des zweitgrößten Software-Herstellers der Welt, Oracle (Jahresumsatz 2000: 10,9 Milliarden Dollar), bringt das Herausforderer-Syndikat Oracle Racing an den Start, das im Wesentlichen aus dem 2000er-Syndikat AmericaOne besteht. Dies kam im vergangenen Jahr bis ins Finale der Herausforderer und unterlag so knapp wie nur möglich den Italienern. Sollte es dem Team diesmal gelingen, die Herausfordererrunde zu gewinnen, treten Ellisons Oracle-Mannen im Finale gegen das traditionell schwarze Boot "New Zealand" an. Das ist dann jedoch geschmückt mit den (vermutlich weißen) Buchstaben SAP.

Wirtschaftswettkampf mit anderen Mitteln

Das vermeintlich rein sportliche Hauen und Stechen hat aber auch handfeste wirtschaftliche Hintergründe. SAP ist das derzeit weltweit drittgrößte Software-Unternehmen (Umsatz 2000: 6,27 Milliarden Euro). Sein Erfolg lässt sich an der Zahl der Kunden messen: mehr als 13.000 Firmen in über 100 Ländern, darunter mehr als die Hälfte der weltweiten Top-500-Unternehmen.

In den vergangenen Jahren hat sich die Konkurrenzsituation beider Firmen verstärkt, da Oracle, bis dahin dominant bei Datenbank-Lösungen, sein Geschäftsfeld auf den Bereich der Computer-Anwendungen, eine Domäne von SAP, ausgedehnt hat. In Neuseeland nimmt dieser Kampf konkrete Formen an.

Die "hässliche Kanne": Cup-Trophäe
SAP hat dort Prestige-Kunden wie Carter Holt Harvey (Holzverarbeitung), Air New Zealand, TransAlta (Energiekonzern) sowie die Stadtverwaltung von Auckland und Teile der Regierung und des Gesundheitswesens. Mit dem für SAP-Software relevanten "Jahr-2000-Problem" sank jedoch der Bonus des Unternehmens in Neuseeland. Oracle, auch in Neuseeland stark im Bereich Datenbanken, hat bei den Anwendungen nur die Milch verarbeitende Branche mit der New Zealand Dairy Group als einen ihrer größten Kunden vorzuweisen.

Beide haben also gewichtige Gründe, die Werbetrommel in Neuseeland kräftig zu rühren. Und was wäre zu diesem Zweck besser geeignet als Segeln, eine der Volkssportarten, mit der Krönungsveranstaltung America's Cup.

SAP hält sich bedeckt

Offiziell heißt es bei SAP noch: "Wir kommentieren Gerüchte grundsätzlich nie." Auch Tom Schnackenberg, Chef des Verteidigersyndikates Team New Zealand, sagt: "Wir reden nicht darüber, mit wem wir reden" ("The New Zealand Herald"). Nach Informationen der Segelzeitschrift "Yacht" sind die Verträge jedoch bereits unterschrieben.

Demnach war der Spi-Sponsor von Team New Zealand, also derjenige, der sein Logo auf den Spinnaker setzen darf, kurzfristig abgesprungen. Daraufhin sprachen die Seegler direkt SAP-Chef Hasso Plattner an, den sie von einem früheren Sydney-Hobart-Race kannten. Plattner hat das Sponsoring befürwortet und nachträglich im Werbeetat untergebracht - für Unternehmen dieser Größenordnung eher ungewöhnlich.

Eigentlich waren die strategischen Sponsoring-Projekte weltweit auf Formel 1, Indianapolis 500 und Golf (Deutsche Bank SAP Open) festgelegt. Das heißt, Segeln wurde als Werbeplattform zusätzlich aufgenommen. Das Ganze kam offenbar so plötzlich, dass es noch keine Ideen für ein Rahmenprogramm gibt.

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